Bestehendes Wissen über familienfreundliche Angebote

Das Projekt Effektiv startete mit einer Sekundäranalyse von Evaluationen und Wirksamkeitsstudien zu familienfreundlichen Maßnahmen an Hochschulen

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Zur Ermittlung des existierenden Wissens über die Wahrnehmung und Wirkungen bestehender Maßnahmen startete das Projekt Effektiv mit einem systematischen Review, das eine Sekundäranalyse von Wirksamkeits- und Evaluationsstudien zu familienfreundlichen Maßnahmen an Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beinhaltete. Grundlage dieser Wissensgenerierung war – neben einer klassischen Literaturrecherche – eine von Dezember 2011 bis Januar 2012 an allen deutschen Hochschulen online durchgeführte Bestandsaufnahme familienfreundlicher Maßnahmen und der dazu vorliegenden Evaluations- und Wirksamkeitsstudien. Insgesamt konnten 53 relevante Studien identifiziert werden, deren Ergebnisse in 60 Publikationen veröffentlicht waren, vorwiegend als graue Literatur. Zur deskriptiven Erfassung wurde ein Raster entwickelt, mit dem die Studien sowohl quantitativ als auch qualitativ aufgenommen und systematisch ausgewertet werden konnten. Die Ergebnisse flossen in die Konzeption der eigenen empirischen Erhebungen ein.

Das systematische Review ergab, dass eine große Bandbreite familienfreundlicher Maßnahmen an Hochschulen umgesetzt wurde und weiter umgesetzt wird. Studien zu diesen Maßnahmen – oft im Hinblick auf Kinderbetreuung – schaffen in der Regel Planungsgrundlagen für diesen Prozess der Implementierung oder des Ausbaus und liefern allgemeine Bewertungen der Familienfreundlichkeit von Hochschulen.

Die Studien zeigen, dass die Familienfreundlichkeit von Hochschulen noch erkennbar verbessert werden kann. Die (Mehr-)Bedarfe von Hochschulangehörigen vor allem mit, aber auch ohne Kind sind umfassend dokumentiert. Sie bestehen vor allem in den Handlungsfeldern Kinderbetreuung, Infrastruktur für Familien, Information und Beratung sowie in familienfreundlichen (flexiblen) Studien- und Arbeitsbedingungen. Hinzu kommt der Wunsch von Studierenden nach stärkerer finanzieller Unterstützung bzw. Entlastung. Das wissenschaftliche Personal fordert zudem ein Mehr an arbeitsvertraglicher Planungssicherheit.

Vergleichsweise wenig Wissen findet sich in den Studien zur Bekanntheit, Nutzung und insbesondere Wirksamkeit familienfreundlicher Angebote und Maßnahmen. Nur vier umfassende Studien, alle in Form von Evaluationen, konnten  hierzu im Rahmen des systematischen Reviews ermittelt und ausgewertet werden. Hinzu kommen Studien, die Maßnahmen nur unter vereinzelten Aspekten untersucht haben. Aufgrund der dürftigen Datenlage lässt sich mit Vorsicht zusammenfassen: Kinderbetreuung, vornehmlich regelmäßige, erfreut sich generell relativ großer Bekanntheit, wird unter Auslastung der bestehenden Angebote genutzt und trägt zur Entlastung von Eltern an der Hochschule bei.

Vor allem zeigte das Review, dass es kaum systematisches Wissen zu den Wirkungen und Effekten familienfreundlicher Maßnahmen gibt. Zudem sind die Ergebnisse einzelner Studien aufgrund methodischer Mängel teilweise nur eingeschränkt aussagefähig. Entsprechende zukünftige Studien sollten mit guter methodischer Fundierung durchgeführt werden, um qualitativ hochwertigere Informationen zu erhalten. Diese Forschungslücke wurde im Projekt Effektiv mit eigenen empirischen Erhebungen aufgegriffen und bearbeitet.