Handlungsfeld: Erhebung und Analyse

Dieses Handlungsfeld aus unserer Datenbank mit Praxisbeispielen fasst Maßnahmen der Datenerhebung und Datenanalyse zusammen, mit denen die Hochschulen konkrete Bedarfe von Hochschulangehörigen an familienfreundlichen Angeboten bestimmen. Einige Erhebungen richten sich an die Nutzenden vorhandener Maßnahmen, um Rückschlüsse auf nötige Verbesserungen der Maßnahmen ziehen zu können. Oft werden dazu Online-Befragungen durchgeführt. Letztere stellen die häufigste Maßnahmenart in diesem Handlungsfeld dar.


Erhebung und Analyse: zentrale Forschungsergebnisse

Erhebung und Analyse: zentrale Forschungsergebnisse

Um Angebote für Familienfreundlichkeit passgenau zu konzipieren und umzusetzen und ihre Wirkung zu untersuchen, werden an vielen Hochschulen Erhebungs- und Analyseinstrumente eingesetzt. Etwas mehr als die Hälfte der in der Bestandsaufnahme befragten Hochschulen haben Bedarfsanalysen durchgeführt, mit dem Ziel, bestehende Problemlagen und Bedarfe zu identifizieren. Das Wissen über Bedarfe ist daher recht umfassend und dient häufig als Planungsgrundlage für die Implementierung und den Ausbau von familienfreundlichen Angeboten. Ein Großteil der Studien zum Bedarf untersucht dabei entweder allgemein das Thema Familienfreundlichkeit oder konzentriert sich auf eine einzelne Maßnahme - häufig auf das Kinderbetreuungsangebot -, wie die Ergebnisse des systematischen Reviews zeigen. Das Thema Pflege findet in den Erhebungen an den Hochschulen in der Regel kaum Berücksichtigung. Die an die Effektiv-Datenbankgemeldeten Beispiele sind zumeist Befragungen, die die Lebenssituation des Personals beziehungsweise der Studierenden mit Kind (überwiegend Studierende) erfassen und deren Bedarf an familienunterstützenden Angeboten erheben. In der Effektiv-Datenbank finden sich darüber hinaus in diesem Handlungsfeld vereinzelte Beispiele für Analysen sehr spezieller Themen, wie zum Beispiel zu den Möglichkeiten für Fundraising, um familienunterstützende Angebote und Dienstleistungen zu finanzieren. In einem anderen Einzelbeispiel wird eine Analyse mit dem Ziel durchgeführt, zielgruppenorientierte Veranstaltungskonzepte sowie Netzwerkangebote für Hochschulangehörige mit Kind zu überprüfen und zu optimieren.

Zur Untersuchung der Wirkungen von Maßnahmen gibt es lediglich vereinzelte Studien, die umfassende Evaluationen darstellen und detaillierte Wirkungsanalysen einschließen. Diese wurden nicht von Hochschulen selbst durchgeführt. Nur wenige der Studien, die von den Hochschulen selbst durchgeführt wurden, enthalten einzelne Bewertungen oder Evaluationselemente. Weiterhin werden Studien häufiger von Universitäten als von Fachhochschulen durchgeführt. Wie das systematische Review und die Bestandsaufnahme zeigen, liegen Erhebungen zum Bedarf zum großen Teil in Form von Online-Befragungen vor. Weitere angewendete Methoden sind schriftliche Befragungen, qualitative Interviews und Workshops.

In den Gruppendiskussionen wurde deutlich, dass an den Hochschulen generell ein großer Bedarf an verlässlichen Daten und Zahlen besteht, um den eigenen Handlungsbedarf besser bestimmen zu können. Einige in diesem Zusammenhang genannte Schwierigkeiten bei der Datengewinnung bestehen darin, dass aufgrund von datenschutzrechtlichen Barrieren beispielsweise Zahlen zu Studierenden mit Kind schwierig zu erfassen sind. Zudem werden viele Maßnahmen, die über Leit- und Handlungslinien umgesetzt werden, nach Ansicht der befragten Akteurinnen und Akteure an den Hochschulen als kaum evaluierbar wahrgenommen. Das umfangreichste (Erfahrungs-)Wissen existiert zu Maßnahmen, die direkt vom Familienbüro oder einer ähnlichen Stelle umgesetzt werden. In einer Gruppendiskussion wurde die Sorge geäußert, mit eigenen Bedarfserhebungen möglicherweise zu große Erwartungshaltungen seitens der Hochschulangehörigenzu wecken.

Die Ergebnisse des systematischen Reviews lassen einige Schwachstellen in den von Hochschulen durchgeführten Bedarfsanalysen erkennen, welche Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Qualität zukünftiger Studien darstellen können. So weisen einzelne Studien methodische Schwächen auf, zudem fehlt es an umfassenden Wirkungsanalysen und Evaluationen. Studien, die das Hochschulpersonal im Fokus haben, differenzieren oft nicht zwischen wissenschaftlichem und nichtwissenschaftlichem Personal, obwohl sich deren Beschäftigungsbedingungen und somit auch Bedürfnisse in Bezug auf Familienfreundlichkeit teilweise stark unterscheiden. Hinzu kommt, dass kaum zwischenden wissenschaftlichen Statusgruppen (Mittelbau und Professor/innen) unterschieden wird. Ebenso fehlen häufig nach Geschlecht ausgewertete Daten. Insgesamt werden Eltern häufiger befragt als Kinderlose, Familiengründung steht bei den Erhebungen also weniger im Fokusals aktuelle Elternschaft.

Um Maßnahmen und Angebote bedarfsgerecht anbieten und steuern zu können, sind Erhebungen und Analysen als Planungsgrundlage grundsätzlich sehr empfehlenswert. In Zukunft, so eine Schlussfolgerung aus den Ergebnissen, müssen Hochschulen Wege finden, um mit den genannten Problemen bei der Gewinnung von Daten umzugehen. Da das Wissen über bereits umgesetzte Angebote und Maßnahmen lückenhaft ist, empfiehlt es sich darüber hinaus, vermehrt Wirkungsanalysen und Evaluationen für die Weiterentwicklung bestehender Angebote durchzuführen. Dabei sind je nach Fragestellung quantitative wie qualitative Erhebungsmethoden denkbar sowie deren Kombination. In zukünftigen Studien sollte verstärkt auf eine saubere Methodik, eine bessere Differenzierung zwischen den verschiedenen Zielgruppen (Studierende sowie nichtwissenschaftliches und wissenschaftliches Personal, Mittelbau, Professor/innen) geachtet werden. Auch kinderlose Hochschulangehörige müssen noch stärker in den Blick genommen werden, um mögliche Entscheidungen für eine Familiengründung zu unterstützen. Außerdem sollte in Bedarfsanalysen neben einer Betreuungsverantwortung für Kinder auch Pflegeverantwortung berücksichtigt werden.

Erhebung und Analyse: ausgewählte Praxisbeispiele

Erhebung und Analyse: ausgewählte Praxisbeispiele

Regelmäßige Onlinebefragungen

In Abständen von zwei Jahren wird an einer Hochschule eine Studierenden-Befragung zum Thema Studieren mit Kind bzw. mit Pflegeverantwortung durchgeführt. In diesem Rahmen werden sowohl die Studienmöglichkeiten als auch die Unterstützung durch betreuende Professoren und Professorinnen evaluiert. Zudem werden vorhandene Unterstützungsangebote und deren Passgenauigkeit sowie Unterstützungsbedarfe abgefragt. Darüber hinaus findet in ebenso regelmäßigen Abständen eine vergleichbare Mitarbeiter/innen-Befragung zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie statt. Ziel dieser Befragungen ist es, das Bewusstsein für sozialeThemen an der Hochschule stetig zu schärfen. Des Weiteren soll durch die Befragungen eine konstante Evaluation stattfinden, um die Angebote und Maßnahmenstetig zu verbessern. Verantwortlich für die Durchführung der Befragungen ist das Campusbüro für Familie und Chancengleichheit.

Erhebung und Evaluierung von Daten zu Hochschulangehörigen mit Familienaufgaben

Im Rahmen des Best-Practice-Clubs im Programm"Familie in der Hochschule" veröffentlichte eine Hochschule eine Übersicht über die aktuelle Praxis der Datenerhebung sowie eine Synopse der rechtlichen Grundlagen zum Datenschutz und Evaluierungsvorlagen (Beispielfragebögen). Ausgehend von einer Bestandsaufnahme der Datenlage an den Hochschulen des Best-Practice-Clubs beschreibt die Übersicht quantitative und qualitative Erhebungsmethoden und konkrete Arbeitsschritte: von der Konzeption der Erhebung und der Erstellung eines Fragebogens bis hin zur Teilnehmendenakquise und Datenauswertung. Die Vor- und Nachteile quantitativer und qualitativer Erhebungsmethoden werden gegenübergestellt und Erfahrungswerte der durchführenden Hochschule eingebunden. Die zur Verfügung gestellten Musterfragebögen sind in angepasster Form für interessierte Hochschulen nutzbar. Die Synopse zum Datenschutz kann als Handlungsleitfaden genutzt werden. Diese Dokumente sind online zugänglich und in der Effektiv-Datenbank zufinden. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Datenerhebung an Hochschulen zu bündeln und aufzuzeigen, welche Daten als Grundlage für die passgenaue Implementierung familienfreundlicher Maßnahmen verwendet werden können. Mit einer regelmäßigen Wiederholung der Datenerhebungen ist es möglich, Trends (z.B. Studienabbrüche oder Hochschulwechsel aus familiären Gründen) abzuleiten und darauf zu reagieren. Diese Maßnahme wurde betreut vom Büro der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule (Projekt Familiengerechte Hochschule).

Ausgewählte Handlungsmöglichkeiten

  • Durchführung von Bedarfserhebungen als Planungsgrundlage für Angebote
  • Verbesserung der Methodik bei Bedarfserhebungen, z.B. Differenzierung nach Zielgruppen (wissenschaftliches Personal nach Statusgruppen, nichtwissenschaftliches Personal, Studierende)
  • Erweiterung des Fokus von Bedarfserhebungen auf die Familiengründungsphase durch die Berücksichtigung von Kinderlosen
  • Durchführung zusätzlicher Wirkungsanalysen und Evaluationen für die Weiterentwicklung der Angebote