Handlungsfeld: Finanzielles und Förderung

Dieses Handlungsfeld aus unserer Datenbank mit Praxisbeispielen bezieht sich auf finanzielle und andere direkte Unterstützungsleistungen an Hochschulen, die von Eltern an der Hochschule in Anspruch genommen werden können. Die Maßnahmenart Nachwuchsförderung/ Stipendium beinhaltet finanzielle Förderung zum Beispiel für die Abschlussphase der Promotion und die Post-Doc-Zeit, außerdem werden Promovierende mit Kind durch einfache hilfswissenschaftliche Tätigkeiten unterstützt. Hinzu kommen Wiedereinstiegsprogramme für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach der Familienphase (Anschubfinanzierung von Qualifikationsprojekten) und Familien-LOM, eine leistungsorientierte Mittelvergabe an den Hochschulen zur Erleichterung des Wiedereinstiegs. Weitere finanzielle unterstützende Maßnahmenarten sind Kinderbetreuungszuschüsse und Fundraising, als Finanzierungsquelle für familienorientierte Studien- und Personalpolitik. Notfallförderung als Maßnahmenart setzt an, wenn sich eine Finanzierungslücke für das Qualifizierungsprojekt auftut.


Finanzielles und Förderung: zentrale Forschungsergebnisse

Finanzielles und Förderung: zentrale Forschungsergebnisse

Unterstützungsleistungen der Hochschulen zur besseren Vereinbarkeit von Wissenschaft oder Studium und Familie bestehen nicht selten in direkten oder indirekten finanziellen Förderungen. Viele Hochschulen, so die Ergebnisse der Bestandsaufnahme, fördern das wissenschaftliche Personal und Studierende mit Kind finanziell über Kinderbetreuungszuschüsse.

Finanzielle Förderungen und Unterstützungsleistungen für das wissenschaftliche Personal bestehen oft in Wiedereinstiegsprogrammen nach Familienzeiten. Eine solche Unterstützung bietet nach Angaben aus der Bestandsaufnahme gut ein Fünftel der befragten Hochschulen an. Gut ein Zehntel der befragten Hochschulen bietet ihrem wissenschaftlichen Personal weitere direkte finanzielle Unterstützung oder geldwerte indirekte Unterstützungsleistungen. Dies kann zum Beispiel eine finanzielle Unterstützung für Dienstreisen mit Kind sein. Weitere Möglichkeiten sind Unterstützungsleistungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs als Brückenstipendien oder als Verfügungsfond, mit denen durch Elternschaft verursachte Finanzierungslücken in Qualifizierungsprojekten geschlossen werden können, sowie die Unterstützung durch eine studentische Hilfskraft. Eine familienbezogene leistungsorientierte Mittelvergabe (LOM), die an die Hochschuleinrichtungen ausgezahlt wird, wenn eine dort beschäftigte Mitarbeiterin innerhalb eines Jahres nach der Geburt des Kindes wieder einsteigt, und Empfehlungen an die Führungskräfte für ein familienbezogenes Fundraising sind Beispiele für Maßnahmen, die durch hochschulinterne Steuerungselemente umgesetzt werden.

Finanzielle Förderung für Studierende erfolgt häufig in Form einer Befreiung von Studiengebühren, Zuschüsse für die Kinderbetreuung sowie kostenloses Mensa-Essen für Kinder. Seltener werden spezielle Stipendien, Begrüßungsgeld, die Befreiung von Sozialgebühren oder die Befreiung von Semesterticketgebühren angeboten. Vereinzelt gilt die finanzielle Förderung speziellen Sachverhalten wie einem Auslandsstudium mit Kind. Gut ein Viertel der befragten Hochschulen gibt an, keinerlei finanzielle Förderung für Studierende mit Familienpflichten anzubieten.

Das Thema Pflege bildet im Handlungsfeld Finanzielles und Förderung bislang weitgehend eine Leerstelle, abgesehen von Einzelmaßnahmen wie der Ermäßigung von Studiengebühren im Falle der Übernahme von Pflegeverantwortung oder der Übernahme der Kosten einer Notfallbetreuung für pflegebedürftige Angehörige.

Um Studium und Elternschaft besser zu vereinbaren, wünschen Studierende sich vor allem kostenlose Kinderbetreuungsangebote und generell mehr finanzielle Unterstützung, beispielsweise im Hinblick auf (bezahlbaren) Wohnraum. Eine Einzelstudie gibt Hinweise darauf, dass auf Studierende mit Kind ausgerichtete finanzielle Hilfen durchaus wirksam sind: So begünstigten sie an einer Hochschule bei allen geförderten Eltern erfolgreiche Studienabschlüsse und wurden von den Studierenden positiv bewertet.

Die Studierenden halten elternunabhängiges BAföG und die Verlängerung der BAföG-Förderungshöchstdauer für sehr hilfreich. Tatsächlich genutzt werden beide Sonderregelungen zum BAföG jedoch nur vergleichsweise wenig, was beim elternunabhängigen BAföG unter anderem auf die begrenzte Zielgruppe der Regelungen zurückzuführen ist. Da die Bekanntheit beider Regelungen in der Studierendenbefragung an der Modellhochschule insgesamt gering ist, besteht bei der Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema an den Hochschulen großer Handlungsbedarf.

Die Wünsche und Bedarfe des wissenschaftlichen Nachwuchses beziehen sich oft auf Anschlussstipendien für die Beendigung der Promotion, wenn diese sich aufgrund familiärer Verpflichtungen verlängert. Promotionsstipendiatinnen beklagen dabei häufig das Fehlen von Regelungen für den Mutterschutz, die Elternzeit und familienbedingte Verlängerungen von Stipendien. Das wissenschaftliche Personal schließlich wünscht mehr Unterstützung beim Wiedereinstieg nach familiär bedingten Auszeiten.

Finanzielles und Förderung: ausgewählte Praxisbeispiele

Finanzielles und Förderung: ausgewählte Praxisbeispiele

Förderprogramm „Promovieren mit Kind“

Das Förderprogramm „Promovieren mit Kind“ zielt darauf ab, Promovendinnen, die durch Kindererziehung und Promotion einer Mehrfachbelastung ausgesetzt sind, dadurch zu unterstützen, dass ihnen eine studentische Hilfskraft zur Seite gestellt wird. Diese unterstützt die Promovierende mit Kind durch einfache hilfswissenschaftliche Tätigkeiten, etwa Bibliotheksausleihen, Materialsichtungen oder Korrekturlesearbeiten. Die Ausschreibung richtet sich an Doktorandinnen mit Kind, die an der Hochschule promovieren. Die Fördermaßnahme wird zunächst für ein halbes Jahr, in der Regel mit einer wöchentlichen Arbeitszeit der studentischen Hilfskraft von drei Stunden pro Woche bewilligt, kann aber bei Bedarf auch individuell erweitert werden. Finanziert wird das Förderprogramm aus Mitteln des Professorinnen-Programms, umgesetzt wird es vom Familienservice in Kooperation mit dem Graduiertenzentrum.

Brückenstipendien für Promovierende mit Familienaufgaben

Ziel des Angebots ist es, Promovierende mit Familienaufgaben in Übergangssituationen kurzfristig finanziell zu unterstützen und somit den Abschluss der Promotion zu erleichtern. Die Hochschule vergibt Brückenstipendien für Promovierende beiderlei Geschlechts mit Familienaufgaben und Abschlussstipendien für promovierende Frauen. Das Brückenstipendium dient der Überbrückung von Situationen, in denen der Wiedereinstieg, die Fortführung oder der Abschluss der Promotion nach einer familienbedingten Auszeit oder aufgrund der Wahrnehmung von Familienaufgaben erschwert oder gefährdet sind. Das Stipendium wird für ein bis drei Monate gewährt, in Höhe von 1.100 Euro monatlich. Eine der Voraussetzungen sind familiäre Verpflichtungen als sorgerechtberechtigte Person für ein Kind bis i.d.R. einschließlich 8 Jahren, bzw. als Pflegeperson für eine pflegebedürftige Angehörige oder einen Angehörigen (nach §7 Abs. 3 und 4 PflegeZG). Auskünfte zu dem Stipendium erteilt die Familienbeauftragte, die auch mit der Umsetzung betraut ist.

Ausgewählte Handlungsmöglichkeiten

  • Gebündelte Informationen zur Verfügung stellen, auch zu externen Fördermöglichkeiten, z.B. zu BAföG-Regelungen
  • Berücksichtigung familiär bedingter Unterbrechungen des Studiums oder der Qualifikationsphase und Schließung daraus entstehender Finanzierungslücken, z.B. Brückenstipendien für den Abschluss von Studium oder Promotion
  • Etablierung von Wiedereinstiegsprogrammen für das wissenschaftliche Personal, z.B. in Verbindung mit der leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM)
  • Aushandlung verbindlicher Regelungen mit den Institutionen, die Stipendien vergeben, für Mutterschutz, Elternzeit und familiär bedingte Verlängerungen
  • Finanzielle Unterstützung von Studierenden mit Kind, z.B. bei den Kosten für Kinderbetreuung