Handlungsfeld: Information und Beratung

Dieses Handlungsfeld aus unserer Datenbank mit Praxisbeispielen betrifft die vielfältigen Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit zur Familienfreundlichkeit und der individuellen Informationsgespräche für Eltern an der Hochschule. Angefangen bei dem Eltern-Infopaket mit den wichtigsten Informationen zu familienfreundlichen Angeboten an der Hochschule über spezielle Informationsveranstaltungen und Online-Portale bis hin zu Informationsmaterial wie Flyern und Broschüren sind die Maßnahmenarten der Hochschulen in diesem Handlungsfeld vielfältig. Hinzu kommen Beratungsstellen für Studierende und Personal mit Kind, die auch Karriereberatung anbieten. Außerdem ist in diesem Handlungsfeld die Maßnahmenart der Unterstützung im Alltag zu nennen, wozu das Angebot gehört, preisgünstige Dienstleistungen für den Haushalt recherchieren zu lassen.


Information und Beratung: zentrale Forschungsergebnisse

Information und Beratung: zentrale Forschungsergebnisse

Die vielfältigen Informationsangebote der Hochschulen dienen der Bekanntmachung eigener und außerhochschulischer familienunterstützender Angebote. Darüber hinaus werden individuelle Beratungsgespräche zu spezifischen Problemen rund um die Vereinbarkeit von Studium oder Beruf und Familie angeboten. Zu diesem Handlungsfeld wurden an die Effektiv-Datenbank die meisten Beispielmaßnahmen gemeldet. Die Maßnahmen konzentrieren sich im Wesentlichen auf Familienservicestellen sowie verschiedene Angebote der Informationsvermittlung (Broschüren, Online-Portale, Informationsveranstaltungen).

Ein großer Teil der Informationsangebote der Hochschulen richtet sich sowohl an Studierende als auch an das Personal. Als zentrale Anlaufstellen für verschiedene Fragen zum Thema Studieren oder Arbeiten mit Kind gibt es an etwas weniger als der Hälfte der Hochschulen Familienservicestellen  (Familienbüros) beziehungsweise für Familienfreundlichkeit zuständige Personen. Neben persönlichen Informationsgesprächen stellen diese Servicestellen wichtige Informationen zu familienfreundlichen Angeboten beziehungsweise zu Fragen rund um Schwanger- und Elternschaft zusammen. Das Thema Pflege ist dabei teilweise integriert. Informationen werden unter anderem mithilfe von Broschüren oder Flyern zur Verfügung gestellt. Dies ist in etwa zwei Dritteln der befragten Hochschulen der Fall. Webseiten mit Informationen sind noch verbreiteter (vier Fünftel). Etwa die Hälfte der befragten Hochschulen bietet Informationsveranstaltungen an. Eine weitere Maßnahme in diesem Handlungsfeld ist die Verteilung sogenannter Willkommenspakete mit Informationen und kleinen Geschenken für Hochschulangehörige, die Eltern geworden sind. Zudem richten Hochschulen vermehrt einen Dual-Career-Service ein, der hochqualifizierte Wissenschaftler/innen unter anderem bei Fragen der Vereinbarkeit berät und unterstützt.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Beratungsangebote zur Studien- oder Karriereplanung mit Kind, die sich an Studierende, Promovierende oder Wissenschaftler/innen richten. Zum Thema Studieren mit Kind bietet etwa ein Viertel der befragten Hochschulen Beratungsgespräche an; Workshops oder Coachings zur Karriere- oder Familienplanung für Wissenschaftler/innen werden etwas seltener angeboten. Eine weitere interessante Einzelmaßnahme für das wissenschaftliche Personal ist ein Concierge-Service: Dieser bietet Mitarbeitenden der Hochschule neben der Beratung zu Alltagsfragen unter anderem Unterstützung durch die Vermittlung von preisgünstigen Haushalts- und Handwerksdienstleistungen an. Für Studierende ist als interessantes Einzelbeispiel die regelmäßig stattfindende Elternkontaktbörse zu nennen, die dem Austausch von Informationen sowie der gegenseitigen Unterstützung dient.

Die Informationsvermittlungsangebote gehören zu den bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bekanntesten und gleichzeitig meistgenutzten Maßnahmen. Fast drei Viertel der Befragten kennen diese Angebote und knapp die Hälfte nutzt sie. Das Angebot der persönlichen Beratung kennt etwa die Hälfte der Befragten, lediglich ein Fünftel nutzt es. Etwas weniger bekannt sind Workshops und Coachings zu Vereinbarkeit, diese nutzt etwa ein Drittel der Befragten. Bei den Studierenden ist der Bekanntheitsgrad der Informations- und Beratungsangebote nur etwa halb so hoch wie beim wissenschaftlichen Personal. Auch werden diese Angebote von Studierenden deutlich seltener genutzt (ein Sechstel).

Knapp ein Drittel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die persönliche Beratung und Workshops beziehungsweise Coachings nutzten, hat von diesen Angeboten profitiert. Das Angebot zur Informationsvermittlung fand lediglich ein Sechstel der befragten Wissenschaftler/innen hilfreich. Informationangebote werden von den Studierenden häufiger als (sehr) hilfreich bewertet als von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Trotz der großen Bekanntheit und Nutzung haben die Informations und Beratungsangebote keine direkten Wirkungen auf die private oder berufliche Situation des wissenschaftlichen Personals, sondern wirken indirekt. Die hohe Nutzung deutet jedoch auf ihre eigenständige und wichtige Bedeutung für eine familienfreundliche Hochschule hin.

An den Informations- und Beratungsangeboten besteht in Bezug auf die Gesamtheit der untersuchten Maßnahmen insgesamt der geringste ungedeckte Bedarf beim wissenschaftlichen Personal. Dieser ist je nach Art des Angebots bei etwa einem Zehntel bis einem Sechstel der Befragten nicht gedeckt. Während der Bedarf demnach zum großen Teil gedeckt ist, gibt es dennoch Bedarfe in Bezug auf die Qualität: Gefordert wird eine höhere Qualität der Informationsangebote, zum Beispiel dahingehend, dass allewichtigen Informationen gebündelt und gut aufbereitet zur Verfügung gestellt werden. Dies betrifft vor allem Angaben zu Ansprechpartner/innen an der eigenen Hochschule, die beispielsweise für rechtliche Fragen zur Elternzeit zuständig sind. Auch Informationen in englischer Sprache werden gewünscht. Die wissenschaftlichen Führungskräfte werden in den Gruppendiskussionen wiederholt als wichtige Multiplikator/innen in puncto Informationsvermittlung gesehen. Sie werden dieser Rolle bisher nur teilweise gerecht, wie die Befragung des wissenschaftlichen Personals ergab. Die Befragung der Studierenden zeigte, dass viele Studierende einen hohen Bedarf angaben, die Nutzungsquote aber gering ist. Dies kann ein Hinweis auf ungedeckten Bedarf darstellen, der in weiteren Untersuchungen näher beleuchtet werden sollte.

In Befunden des systematischen Reviews sowie in den Gruppendiskussionen wird übereinstimmend eine zentrale Anlaufstelle für Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beziehungsweise Studium als sehr wichtig und hilfreich erachtet. An diesem Punkt könnten einige Hochschulen noch aktiv werden. Eine solche Familienservicestelle sollte über eine leicht zu erreichende und übersichtliche Präsenz im Internet verfügen und kann gleichzeitig hochschulintern als Instanz dienen, an der das Thema Familienfreundlichkeit strukturell angesiedelt ist. In den Gruppendiskussionen wurde es als günstig für die Organisationsstrukturen innerhalb der Hochschulen angesehen, dieses Thema nicht kleinteilig entlang mehrerer Verantwortungsbereiche zu streuen.

Information und Beratung: ausgewählte Praxisbeispiele

Information und Beratung: ausgewählte Praxisbeispiele

Familienservice

Eine Hochschule bietet einen Familienservice an, der als Beratungs-, Informations- und Vermittlungsstelle für Studierende und Beschäftigte mit familienbezogenen Anliegen dient. Er ist Ansprechstelle bei Fragen zur Organisation eines Studiums, des beruflichen Alltags mit Kind oder bei Fragen zur Finanzierung eines Studiums mit Kind und liefert Informationen zu Kinderbetreuungsangeboten und vermittelt diese. Ziel ist es, allen Eltern an der Hochschule die Vereinbarkeit von Familie und Studium bzw. Beruf zu erleichtern. Zudem fungiert er als zentrale Anlaufstelle für die Verwaltung, die Studentenkanzlei und alle Fachbereiche sowie externe Organisationen bezüglich Fragen zur familienfreundlichen Hochschule. Der Familienservice unterstützt durch die Entwicklung und Implementierung geeigneter Maßnahmen und Angebote die gesamte Hochschule auf dem Weg zur familienfreundlichen Hochschule.

Clearingstelle Wissenschaft und Familie

An einer Hochschule gibt es die Clearingstelle Wissenschaft und Familie, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Elternschaft unterstützt. Sie bietet, zusammen mit der Instituts- bzw. Klinik- oder Arbeitsgruppenleitung ein moderiertes Beratungsgespräch zur Planung des weiteren wissenschaftlichen Werdegangs im Rahmen einer zukünftigen Zusammenarbeit an. Innerhalb dieses Gesprächs legen die Leitungen der jeweiligen wissenschaftlichen Einrichtung und der bzw. die Wissenschaftler/in gemeinsam Ziele der beruflichen Weiterentwicklung fest und handeln für beide Interessen konstruktive Bedingungen dafür aus. Zudem bietet die Clearingstelle Wissenschaftlerinnen mit Kind für die Zeit des Mutterschutzes bzw. der Elternzeit eine Stellvertretung an, die das wissenschaftliche Projekt fortführt oder Routineaufgaben im Institut bzw. der Klinik übernimmt. Dieses Angebot wird vom Gleichstellungsbüro der Hochschule umgesetzt.

Ausgewählte Handlungsmöglichkeiten

  • Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für Familienfreundlichkeit an der Hochschule, z.B. in Form einer Familienservicestelle
  • Übersichtliche und gut erreichbare Internetpräsenz der Familienservicestelle
  • Erhöhung der Bekanntheit der Angebote bei den Zielgruppen (insbesondere bei Studierenden), z.B. durch stärkere Öffentlichkeitsarbeit
  • Verbesserung der Informationsmaterialien durch stärkere Bündelung von Informationen, z.B. zu allen relevanten Ansprechpersonen
  • Stärkung der Professorinnen und Professoren in ihrer Multiplikatorenrolle bei der Informationsvermittlung
  • Herausgabe von Informationsmaterialien auch in englischer Sprache