Handlungsfeld: Infrastruktur für Familien

Im Handlungsfeld "Infrastruktur für Familien" aus unserer Datenbank mit Praxisbeispielen werden die Maßnahmen an Hochschulen gebündelt, die räumliche Angebote für Familien und familienfreundliche Anpassungen der Infrastruktur betreffen. Zu nennen sind hier Eltern-Kind-Räume, die unter anderem Arbeitsplätze für Eltern mit Kind, Still- und Wickelräume, Spielecken und Rückzugsmöglichkeiten beinhalten. Die kinderfreundliche Mensa mit kostenlosem Essen für Kinder, Kindermobiliar oder einer Spielecke gehört ebenfalls zum Handlungsfeld. Des Weiteren dient die familienfreundliche Bibliotheksausleihe der zeitlichen Flexibilität bei der Ausleihe bzw. beinhaltet Sonderregelungen für Eltern an der Hochschule, wie das Ausleihen aus dem Präsenzbestand. Zudem wurden in diesem Handlungsfeld besondere Angebote des Hochschulsports für Eltern mit Kind aufgenommen.


Infrastruktur für Familien: zentrale Forschungsergebnisse

Infrastruktur für Familien: zentrale Forschungsergebnisse

Viele Hochschulen streben eine Verbesserung der Familienfreundlichkeit durch entsprechende Infrastrukturangebote an. Wie die Bestandsaufnahme zeigt, stellen drei Viertel der untersuchten Hochschulen den Hochschulangehörigen Wickelräume zur Verfügung. Etwas mehr als die Hälfte der befragten Hochschulen bietet Stillräume an. Eltern-Kind-Zimmer existieren an etwas weniger als der Hälfte der befragten Hochschulen. Neben diesen Maßnahmen speziell für Eltern und ihre Kinder werden zusätzlich bestehende Angebote der Hochschulen angepasst und erweitert. Dies gilt insbesondere für die Mensa. Etwas weniger als die Hälfte der in der Bestandsaufnahme befragten Hochschulen statten ihre Mensa mit Kinder-Ecken inklusive kindgerechtem Mobiliar aus und bieten darüber hinaus kostenloses Essen für Kinder an. Kostenloses Mensaessen richtet sich in der Praxis teilweise nur an Kinder von Studierenden. An einem Drittel der untersuchten Hochschulen werden (oftmals durch die Studierendenwerke) spezielle Wohnmöglichkeiten für Studierende mit Kind bereitgestellt. Ein Fünftel der befragten Hochschulen stellt Spielplätze auf ihrem Gelände zur Verfügung. Einzelne Hochschulen bieten spezielle Hochschulsportangebote für Hochschulangehörige mit Kind an sowie eine familienfreundliche Bibliotheksausleihe. Letztere bezieht sich auf verlängerte Öffnungszeiten sowie auf flexible Ausleihkonditionen für Studierende mit Kind.

Die Befragungen der Studierenden und des wissenschaftlichen Personals belegen, dass Still- und Wickelräume, Eltern-Kind-Zimmer und die kinderfreundliche Mensa unterschiedlich gut bekannt sind. Die kinderfreundliche
Mensa ist dabei sowohl den Studierenden als auch dem wissenschaftlichen Personal am besten bekannt. Still- und Wickelräume sind nur einem Sechstel der kinderlosen Studierenden an der Modellhochschule bekannt. Dagegen kennt die Hälfte des befragten wissenschaftlichen Personals dieses Angebot. Bei beiden Gruppen sind Eltern-Kind-Zimmer im Vergleich zur Gesamtheit aller untersuchten Maßnahmen am wenigsten bekannt.

Die Befragungen der Studierenden und des wissenschaftlichen Personals haben zudem gezeigt, dass die untersuchten Maßnahmen verschieden stark genutzt werden. Bei den befragten Studierenden mit Kind an der Modellhochschule ist die kinderfreundliche Mensa die meistgenutzte Maßnahme, beim wissenschaftlichen Personal die am dritthäufigsten genutzte. Still- und Wickelräume werden bundesweit von einem Zehntel der Studierenden mit Kind genutzt, was im Vergleich zur Gesamtheit der untersuchten Maßnahmen über dem Durchschnitt liegt. Auch ein Drittel des wissenschaftlichen Personals nutzt
Still- und Wickelräume, was ebenfalls im Vergleich zu allen untersuchten Maßnahmen aller Handlungsfelder im oberen Mittelfeld liegt. Eltern-Kind-Zimmer sind dagegen nicht nur generell die unbekannteste Maßnahme, sondern auch die am wenigsten genutzte. Dies gilt sowohl für die Gruppe der Studierenden als auch für das wissenschaftliche Personal.

Bei der Befragung des wissenschaftlichen Personals gab zwischen einem Drittel und der Hälfte der Nutzenden an, von den Infrastrukturmaßnahmen (sehr) zu profitieren. Im Vergleich zu Maßnahmen anderer Handlungsfelder liegen diese Werte im Mittelfeld. Die wenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Eltern-Kind-Zimmer nutzen (konnten), gaben zudem an, hinsichtlich mehrerer Dimensionen auf privater und beruflicher Ebene zu profitieren. Sie führten an, mehr Zeit und einen planbareren Alltag zu haben und generell zufriedener zu sein. Zudem hätten sie durch die Nutzung der Eltern-Kind-Räume mehr Zeit für die Arbeit beziehungsweise die weitere Qualifikation, würden produktiver arbeiten und fühlten sich der Hochschule enger verbunden. Still- und Wickelräume werden von mehr als drei Vierteln der bundesweit befragten Studierenden, die diese Maßnahmen genutzt hatten, als (sehr) hilfreich bewertet. Aus den Gruppendiskussionen wurde erkennbar, dass auch kleinere Infrastrukturangebote in einzelnen Instituten erfolgreich sein können. Die Umsetzung gelinge aber nur dann gut, wenn die Institute die geplante Infrastruktur auf einfachem Weg beantragen könnten und ihnen die entsprechenden Gelder unkompliziert zur Verfügung gestellt würden. Eine Studie, die im Rahmen des systematischen Reviews untersucht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass familienfreundliche Infrastruktur einen Kulturwandel in Bezug auf die Familienfreundlichkeit der gesamten Hochschule befördern könne.

Den Ergebnissen zur Bekanntheit und der bisherigen Nutzung sowie zum ungedeckten Bedarf an familienfreundlicher Infrastruktur zufolge ergeben sich unterschiedliche Handlungsspielräume für die Weiterentwicklung der einzelnen
Maßnahmen. So ist die kinderfreundliche Mensa bei den Studierenden der Modellhochschule zwar gut bekannt und wird gut genutzt, allerdings ist die dazugehörige Kinder-Ecke mit kinderfreundlichem Mobiliar deutlich bekannter als das Angebot des kostenlosen Essens für Kinder. Dies deutet auf ein Informationsdefizit hinsichtlich des kostenlosen Kinderessens hin. Das wissenschaftliche Personal nennt einen großen ungedeckten Bedarf an dem Angebot der kinderfreundlichen Mensa und bemängelt, dass sich das Angebot des kostenlosen Essens für Kinder an ihrer Hochschule lediglich an Studierende richte. Sowohl Still- und Wickelräume als auch Eltern-Kind- Zimmer werden nur von wenigen Studierenden genutzt, obwohl diese einen hohen Bedarf an den Angeboten äußern. Auch das wissenschaftliche Personal gibt bezüglich beider Maßnahmen einen recht hohen ungedeckten Bedarf an und bemängelt, dass die Räume oft schlecht zu erreichen seien. Diese Angebote sollten deshalb ausgeweitet und hochschulweit zur Verfügung gestellt werden. Oftmals wird auch die Ausstattung der Räume kritisiert. Diese sollten von den Hochschulen geprüft und gegebenenfalls verbessert werden. Schließlich ist aus den Befragungen ersichtlich, dass der Bekanntheitsgrad insbesondere der Eltern-Kind-Zimmer und der Still- und Wickelräume bei den Zielgruppen durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit gesteigert werden sollte.

Infrastruktur für Familien: ausgewählte Praxisbeispiele

Infrastruktur für Familien: ausgewählte Praxisbeispiele

Eltern-Kind-Zimmer

An einer Hochschule steht Studierenden und Beschäftigten mit Kind bei Bedarf (und bei Bediensteten nach Absprache mit den Vorgesetzen) ein Eltern-Kind-Zimmer zur Verfügung. Das Zimmer kann über einen Online-Belegungsplan bei der Familien-Service-Stelle reserviert werden. Ein Arbeitsplatz ist ausgestattet mit einem Notebook mit Internetanschluss (Internetzugang über W-LAN ist auch mit dem eigenen Notebook möglich) und einem Telefon (Nutzung intern und für Notrufe). Für Kinder verschiedener Altersgruppen (Babys, Kleinkinder sowie Kindergarten- und Grundschulkinder) ist Spielzeug vorhanden. Still-, Wickel- und Ausruhmöglichkeiten sind ebenfalls gegeben. Des Weiteren ist das Zimmer mit einem Kühlschrank, einer Kaffeemaschine und
einem Wasserkocher ausgestattet.

Kostenloses Mensa-Essen für Kinder von Studierenden

Ein Studentenwerk bietet in der Mensa einen kostenlosen Kinderteller an. Studierende Eltern geben ihren Studierendenausweis an der Mensa-Kasse als Pfand ab und erhalten dafür einen Kinderteller und Kinderbesteck. An der Essensausgabe wird anschließend eine Kinderportion des Wunschessens auf dem Kinderteller ausgegeben. Alternativ können die Eltern das Essen selbst aus dem Selbstbedienungsangebot wählen. Im Essensraum steht angepasstes Mobiliar (Kinderhochstühle) zur Verfügung.

Ausgewählte Handlungsmöglichkeiten

  • Hochschulweiter Ausbau von Eltern-Kind-Zimmern sowie von Still- und Wickelräumen
  • Verbesserung der Ausstattung dieser Räume, z.B. PC-Arbeitsplatz und Kinder-Ecke mit Spielzeug
  • Schaffung des Angebots einer kinderfreundlichen Mensa, z.B. Mobiliar für Kinder, kostenloses Kinderessen vor allem für Kinder von Studierenden