Handlungsfeld: Kinderbetreuung

Das Handlungsfeld "Kinderbetreuung" aus unserer Datenbank mit Praxisbeispielen umfasst Kinderbetreuungsangebote an den Hochschulen für Kinder (verschiedener Altersstufen) von Studierenden und Personal. Bei der Ganztagskinderbetreuung spielen hochschuleigene Tagesstätten eine wichtige Rolle. Weitere Angebote sind Kinderferienbetreuung und flexible Kinderbetreuung im Notfall; zu letzterer wurden auch Babysitting-Börsen oder die Betreuungsmöglichkeit während wichtiger Veranstaltungen gezählt. Sonstige Kinderbetreuung wie Belegplätze der Hochschulen in einer externen Einrichtung oder die Errichtung von Groß-Tagespflegestellen gehören ebenfalls zu diesem Handlungsfeld.


Kinderbetreuung: zentrale Forschungsergebnisse

Kinderbetreuung: zentrale Forschungsergebnisse

An vielen deutschen Hochschulen werden in Ergänzung zu kommunalen Angeboten und oftmals in Kooperation mit Studierendenwerken Kinderbetreuungsangebote bereitgestellt. Die Selbstmeldungen der Hochschulen an die Effektiv-Datenbank und die Bestandsaufnahme zeigen verschiedene Formen der Kinderbetreuung auf. Studierendenwerke richten ihre Angebote in der Regel nur an Studierende. Andere externe Kooperationspartner wie Kommunen oder private Anbieter stellen meist Belegplätze für alle Hochschulangehörigen zur Verfügung. Die regelmäßige Betreuung für Kinder unter drei Jahren sowie für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren wird von über zwei Dritteln der in der Bestandsaufnahme befragten Hochschulen angeboten. Flexible Betreuungsangebote werden von mehr als der Hälfte der befragten Hochschulen zur Verfügung gestellt, beispielsweise für Notfälle, Veranstaltungen oder Dienstreisen. Ein weiteres Angebot einiger Hochschulen ist die Ferienbetreuung für Schulkinder mit vielfältigen Freizeitangeboten. Dieses Angebot wird oftmals in Kooperation mit externen Anbietern durchgeführt. Außerdem bieten einige Hochschulen Vermittlungsangebote an. So stellt zum Beispiel etwa ein Viertel der im
Rahmen der Bestandsaufnahme befragten Hochschulen eine Babysitting-Börse zur Verfügung.

Die verschiedenen Formen der Kinderbetreuung sind dem wissenschaftlichen Personal an den Modellhochschulen bekannter als den Studierenden. Regelmäßige Betreuungsangebote sind vor allem dem wissenschaftlichen Personal sehr gut bekannt; ob diese Kinder haben oder nicht, ist dabei wenig relevant. Im Gegensatz dazu sind die regelmäßigen Angebote den Studierenden ohne Kind an der Modellhochschule in Ostdeutschland nur mäßig bekannt. Die flexible Kinderbetreuung ist dagegen bei den Studierenden ohne Kind deutlich besser bekannt als beim kinderlosen wissenschaftlichen Personal. Auch das wissenschaftliche Personal mit Kind kennt flexible Betreuungsangebote besser als die kinderlosen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ferienbetreuungsangebote sind knapp der Hälfte des befragten wissenschaftlichen Personals bekannt, Babysitting-Börsen sind sowohl bei den Studierenden als auch beim wissenschaftlichen Personal relativ unbekannt.

Die regelmäßigen Kinderbetreuungsangebote werden im Vergleich zu der Gesamtheit aller untersuchten Maßnahmen sehr stark genutzt. Sowohl bundesweit als auch an der Modellhochschule ist die regelmäßige Kinderbetreuung das von Studierenden mit Kind am zweitstärksten genutzte Angebot. Rund ein Drittel des wissenschaftlichen Personals mit Kind und der bundesweit befragten Studierenden mit Kind nutzen regelmäßige Betreuungsangebote. Flexible Kinderbetreuungsangebote dagegen werden von den bundesweit befragten Studierenden und vom wissenschaftlichen Personal nur in einem geringen Ausmaß genutzt. Ferienbetreuungsangebote werden von knapp einem Achtel des wissenschaftlichen Personals genutzt. Die Babysitting-Börse wird sowohl von den Studierenden als auch vom wissenschaftlichen Personal in nur sehr geringem Ausmaß genutzt.

Sowohl die Studierenden als auch das wissenschaftliche Personal gaben an, (sehr) von Kinderbetreuungsangeboten zu profitieren. Drei von vier der durch das wissenschaftliche Personal am besten bewerteten Maßnahmen sind diesem Handlungsfeld zugeordnet. Dabei weist die regelmäßige Kinderbetreuung die beste Bewertung auf, gefolgt von den flexiblen Betreuungsangeboten. Die Kinderbetreuungsangebote zeigen gleichzeitig Effekte auf verschiedenen Dimensionen. Durch regelmäßige Kinderbetreuung kann das wissenschaftliche Personal die zur Verfügung stehende Zeit besser planen und hat insgesamt einen stressfreieren Alltag sowie eine höhere allgemeine Zufriedenheit. Hinsichtlich der Arbeit werden an positiven Effekten ein größeres Zeitbudget, eine höhere Produktivität und eine stärkere Verbundenheit mit der Hochschule berichtet. Die flexible Kinderbetreuung weist bei dem wissenschaftlichen Personal die gleichen Effekte auf, allerdings in etwas geringerer Stärke. Auch Studierende, die die regelmäßige und die flexible Kinderbetreuung genutzt haben, bewerten diese insgesamt als (sehr) hilfreich. Der Babysitting-Börse bescheinigt deutlich mehr als die Hälfte des wissenschaftlichen Personals eine hohe Wirksamkeit. Weniger als die Hälfte der befragten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bewerten die Ferienbetreuung als hilfreich.

Studien, die im Rahmen des systematischen Reviews untersucht wurden, liefern Hinweise darauf, dass der Bedarf an regelmäßigen Betreuungsplätzen sehr hoch ist und oftmals nicht gedeckt werden kann. Dies betrifft besonders Hochschulen in Westdeutschland, wo das kommunale Angebot oftmals kleiner ist als in Ostdeutschland. Bei den regelmäßigen Betreuungsangeboten gibt circa ein Fünftel der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen einen ungedeckten Bedarf an, bei den Studierenden nutzte lediglich ein Viertel derjenigen, die einen hohen Bedarf haben, das Angebot. Bei der Abfrage der Gründe für die Nichtnutzung der regelmäßigen Betreuung wurde von den Befragten bestätigt, dass häufig nicht genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stünden. Weitere Probleme sind eine schlechte Erreichbarkeit der Standorte und ungünstige Öffnungszeiten. Auch hohe Kosten für die regelmäßige Kinderbetreuung können, wie eine Studie zeigt, eine Belastung für die Studierenden sein.

Bei der Babysitting-Börse und den flexiblen Betreuungsangeboten stellen vor allem lange Anmeldefristen eine Barriere dar, die zur Nichtnutzung der Maßnahmen führen. Bei den flexiblen Betreuungsangeboten kommen unflexible
Öffnungszeiten, beispielsweise an Wochenenden, hinzu. Hier äußert ein Viertel des wissenschaftlichen Personals einen ungedeckten Bedarf. Zwei Drittel der bundesweit befragten Studierenden mit Kind artikulieren einen hohen Bedarf an flexiblen Kinderbetreuungsangeboten. Von diesen nutzte jedoch nur jede/r Zehnte dieses Angebot tatsächlich. Das wissenschaftliche Personal, das Ferienbetreuungsangebote genutzt hatte, kritisiert, dass die Angebote oftmals nicht die gesamte Ferienzeit abdecken würden und für die übrige Ferienzeit aufwändig Betreuungsangebote gefunden werden müssten. Des Weiteren seien die Informationsangebote zu den Ferienbetreuungsangeboten häufig mangelhaft. Hochschulen könnten hierauf reagieren, indem sie ihr Angebot der verschiedenen Kinderbetreuungsformen prüfen, gegebenenfalls ausweiten und mit gezielten Informationen darauf aufmerksam machen. Weiteren Handlungsspielraum bieten die Identifikation und die Reduzierung von Barrieren, die zur Nichtnutzung einzelner Maßnahmen führen.

Die an Hochschulen mit der Umsetzung der Familienfreundlichkeit betrauten Personen sowie die Hochschulleitungen betonten in den Gruppendiskussionen, dass Kinderbetreuungsangebote eine zentrale Rahmenbedingung für Familienfreundlichkeit seien. Allerdings setze der finanzielle Rahmen Grenzen für den Umfang des Angebots, für das die Hochschulen grundsätzlich die Kommunen und die Politik in der Verantwortung sehen. Die Hochschulen können aus ihrer Sicht hier nur unterstützend wirken. Sie sind mit ihrem Angebot insgesamt zufrieden und sehen positive Effekte für Ihre Mitarbeitenden. Kooperationen mit dem Studierendenwerk beim Angebot von Betreuungsplätzen werden positiv bewertet. Erschwert werde die Organisation des Kinderbetreuungsangebots durch hohe Fluktuation des wissenschaftlichen Personals. Daraus resultierten häufige Wechsel der Kinder in den Kindertagesstätten. Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht könnte dies auch negative Folgen für die Kinder verursachen. Zuletzt wird an den Hochschulen eine aus ihrer Sicht mitunter übersteigerte Erwartungshaltung seitens des Personals an den Umfang und die Leistung der Betreuungsangebote wahrgenommen.

Kinderbetreuung: ausgewählte Praxisbeispiele

Kinderbetreuung: ausgewählte Praxisbeispiele

Uni-Kinderkrippe

Eine Hochschule bietet in Kooperation mit einer öffentlichen Organisation für Kinder von Studierenden sowie Mitarbeitenden eine Krippe an, die über 32 Vollzeitplätze verfügt. Geöffnet ist die Krippe Montag bis Freitag von 7:30 - 18:30 Uhr, bei Bedarf während des Semesters bis 20:00 Uhr. Im Sommer sind drei Wochen und an Weihnachten eine Woche Betriebsferien. Aufgenommen werden Kinder ab zwei Monaten bis zum Alter der Einschulung. Ergänzend dazu bietet die Hochschul-Kinderkrippe eine stundenweise Betreuung von Kindern im Vorschulalter an. Gedacht ist dieses Angebot im Fall von spontanen Terminen, während außerordentlicher Sitzungen, Kongressen, Weiterbildungen oder bei dringenden Erledigungen. Der monatliche Elternbeitrag wird aufgrund des Bruttoeinkommens und der Kosten der Kinderbetreuung berechnet. Der Elternbeitrag muss unabhängig von den Abwesenheiten des Kindes monatlich bezahlt werden.

Ferienfreizeit für die Kinder von Studierenden und wissenschaftlichem Personal

Eine Hochschule bietet eine Kinderferienbetreuung an, bei der den teilnehmenden Kindern jeweils wochenweise ein abwechslungsreiches Ferienprogramm geboten wird. Jede Woche steht dabei unter einem anderen Thema. Die Betreuung übernimmt ein pädagogisch erfahrenes Team in der Zeit zwischen 8:00 und 16:00 Uhr. Die Platzvergabe erfolgt auf Basis des Anmeldedatums. Es ist auch möglich, die Kinder tageweise anzumelden. Teilnehmen können eingeschulte Kinder von Hochschulangehörigen im Alter von 5 bis 13 Jahren. Die Kosten der Ferienfreizeit sind gestaffelt.

Babysitting-Börse für Studierende und wissenschaftliches Personal

Die Babysitting-Börse einer Hochschule soll dazu beitragen, Hochschulangehörigen mit Kind die Vereinbarkeit von Familie und Studium bzw. Beruf zu erleichtern. Über die Börse können sich Eltern und Babysitter/innen kostenlos, schnell und unkompliziert suchen und finden. Die Hochschule trägt die Kosten für die Schulung von Babysitter/innen, die sich anschließend bei der Börse registrieren lassen und in eine Babysitting-Liste aufgenommen werden. Eltern, die Betreuungsunterstützung benötigen, müssen sich nicht registrieren
lassen, sondern können ihr Gesuch unmittelbar an die Babysitting-Liste senden. Über diesen Weg werden alle registrierten Babysitter/innen informiert und Interessierte können sich per E-Mail direkt mit den Eltern bzw. einem Elternteil in Verbindung setzen. Die Babysitting-Börse wird von Seiten der Familienberatung als Kontaktplattform zur Verfügung gestellt. Die Kontaktaufnahme geschieht auf freiwilliger Basis und wird eigenständig von den beteiligten Personen gestaltet.

Ausgewählte Handlungsmöglichkeiten

  • Bedarfsgerechter Ausbau von regelmäßigen und flexiblen Kinderbetreuungs-plätzen
  • Verbesserung qualitativer Merkmale, z.B. eine gute Erreichbarkeit und bedarfsgerechte Öffnungszeiten
  • Einfache und kurzfristige Nutzung von flexiblen Kinderbetreuungsangeboten ermöglichen
  • Prüfung und gegebenenfalls Verstärkung von kommunalen Kooperationen und der Zusammenarbeit mit Studierendenwerken
  • Finanzielle Unterstützung der Kinderbetreuungskosten für Studierende mit Kind
  • Anpassung der Dauer der Ferienbetreuung an die Länge der Schulferien