Handlungsfeld: Organisation und Vernetzung

Die Institutionalisierung der Familienfreundlichkeit in Form von Familienservicestellen ist hier zentral. Zu diesem Handlungsfeld aus unserer Datenbank mit Praxisbeispielen gehören auch Maßnahmenarten wie lokale Kooperationen der Hochschulen mit Kommune oder Stadt bei der Umsetzung familienfreundlicher Angebote. Hinzu kommt die Unterstützung bei der Etablierung von Elternnetzwerken. Aber auch Handlungsempfehlungen der Hochschule, zum Beispiel zum Aufbau von geeigneten internen Kommunikationswegen und Prozessen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit, sind diesem Handlungsfeld zugeordnet.


Organisation und Vernetzung: zentrale Forschungsergebnisse

Organisation und Vernetzung: zentrale Forschungsergebnisse

Familienfreundlichkeit wird an den Hochschulen durch Prozesse der Institutionalisierung und Vernetzung sowie Leitlinien und Handlungsempfehlungen gestärkt und verankert. Zentrale Instrumente der Institutionalisierung von Familienfreundlichkeit sind in den letzten Jahren die Gründung von Familienservicestellen oder Familienbüros und die Benennung von für das Thema zuständigen Personen. An knapp der Hälfte aller deutschen Hochschulen gab es 2013 derartige Familienservicestellen beziehungsweise für Familienfreundlichkeit zuständige Personen, die offiziell zum Thema ansprechbar sind. Gut drei Viertel der befragten deutschen Hochschulen haben darüber hinaus Familienfreundlichkeit als offiziellen Teil der Leitbilder, in Entwicklungsplänen oder in Zielvereinbarungen verankert. Darüber hinaus existieren auch Leitfäden für familienbedingte Auszeiten oder institutionalisierte Beratungen, die sich direkt an das wissenschaftliche Personal oder an Studierende richten.

Vernetzungen innerhalb der Hochschulen dienen der unmittelbaren Unterstützung von wissenschaftlichem Personal oder Studierenden. In diesem Bereich werden zum Beispiel Elternnetzwerke für Studierende und/oder das wissenschaftliche Personal gefördert. 

Knapp die Hälfte der befragten deutschen Hochschulen ist zum Thema Familienfreundlichkeit mit anderen Hochschulen vernetzt. Deutlich über die Hälfte arbeitet mit externen Kooperationspartnern zusammen. Häufig genannte Kooperationspartner waren dabei die Stadt, die Beruf und Familie GmbH (zur Durchführung des „audit familiengerechte hochschule“) und lokale Familiennetzwerke. Insbesondere zur Umsetzung von Kinderbetreuungsangeboten kooperieren die Hochschulen außerdem mit Studierendenwerken, da diese die öffentliche Aufgabe der wirtschaftlichen, sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Förderung Studierender erfüllen.

Anstöße zu Maßnahmen der Organisationsentwicklung und Vernetzung im Bereich der Familienfreundlichkeit entstehen häufig durch die Teilnahme der Hochschulen an Projekten oder Förderprogrammen. Förderprogramme von Bund und Ländern können dazu beitragen, den Bewusstseinswandel auf Ebene der Hochschulleitung und bei Entscheidungstragenden hin zu mehr Familienfreundlichkeit zu befördern. Auch Kooperationen mit der Stadt oder der Kommune werden als sehr hilfreich empfunden. Dies gilt insbesondere für die „Lokalen Bündnisse für Familie“, in denen sich Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammenschließen, um Lebensund Arbeitsbedingungen für Familien zu verbessern. Aktivitäten für mehr Familienfreundlichkeit werden nicht selten durch derartige externe Kooperationen angestoßen oder befördert, vor allem dann, wenn die Hochschule für die Stadt einen wichtigen Standortfaktor darstellt.

Da viele Maßnahmen (wie z.B. familienfreundliche Konferenzzeiten) aufgrund der Autonomie der Fakultäten und Lehrstühle nicht von der Hochschulleitung angeordnet werden können, werden für Führungskräfte in den Dekanaten oder für Professorinnen und Professoren oftmals Handlungsempfehlungen und Leitlinien formuliert. Diese Instrumente sind insofern problematisch, als dass sie nur schwer hinsichtlich ihrer Wirksamkeit überprüfbar sind.

Gerade die Einrichtung von Familienbüros und die Benennung von festen Ansprechpersonen – gewissermaßen als „anfassbarer Kulturwandel“ – wird von Entscheidungstragenden für äußerst wichtig erachtet. Grund hierfür ist nicht zuletzt, dass konkrete Ansprechpersonen es der großen Menge an häufig wechselnden Beschäftigten und Studierenden deutlich erleichtern, sich über die Angebote für Familienfreundlichkeit zu informieren. In den Kommentaren der Befragung äußert sich das wissenschaftliche Personal dementsprechend positiv über derartige zentrale Anlaufstellen. Die Verstetigung und Dauerfinanzierung der Familienservicestellen und der für Familienfreundlichkeit zuständigen Ansprechpersonen stellt für die Entscheidungstragenden in den Hochschulen eines der wichtigsten Ziele dar. Schwierig gestaltet sich dabei insbesondere die Anschlussfinanzierung nach der Teilnahme an Förderprogrammen. Aus Sicht des wissenschaftlichen Personals ist die Zusammenarbeit der Servicestellen mit anderen Stellen, wie zum Beispiel der Personalabteilung, teilweise noch ausbaufähig.

Seitens des wissenschaftlichen Personals werden in diesem Handlungsfeld vor allem weitere Vernetzungsangebote unter den Hochschulangehörigen gewünscht, insbesondere zum Kontakterhalt während familiär bedingter Abwesenheitszeiten.

Die mit der Umsetzung von Familienfreundlichkeit befassten Schlüsselakteure und -akteurinnen waren sich in den Gruppendiskussionen einig: Familienfreundlichkeit kann nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn sie von der Hochschulleitung voll und ganz unterstützt wird. Die Unterstützung der Hochschulleitung stellt demnach eine Grundvoraussetzung für das Gelingen von Familienfreundlichkeit dar.

Organisation und Vernetzung: ausgewählte Praxisbeispiele

Organisation und Vernetzung: ausgewählte Praxisbeispiele

Vernetzungsangebot für Studierende mit Kind

Eine Hochschule bietet ihren Studierenden mit Kind verschiedene Vernetzungsangebote: So organisieren der Familienservice und die Gleichstellungskommission beispielsweise Wochenendausflüge, um die Studierenden auf dem Weg zu einer gelungenen Balance zwischen Lernen, Kindererziehung, Jobs und Freizeit zu unterstützen. Während die Kinder betreut werden, gibt es für die Studierenden die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und kennenzulernen und an Workshops zu verschiedenen Themen, wie zum Beispiel Zeitmanagement, teilzunehmen. Zudem werden regelmäßige Vernetzungstreffen für Studierende mit Kind angeboten. Schwerpunkte sind hierbei die Vernetzung und der Austausch zwischen den Studierenden mit Familie. Neu eingerichtet wurde eine Kontaktbörse, um eine schnelle und unkomplizierte Möglichkeit zu bieten, Kontakt untereinander aufzubauen und gegenseitige Treffen oder eine Kinderbetreuung zu organisieren. Aktuelle Informationen und Veranstaltungsankündigungen gibt es auf der Homepage der Gleichstellungsbeauftragten und des Familienservice. Im Eltern-Kind-Raum gibt es zusätzlich eine Givebox. Nach dem Motto „Schenken und beschenkt werden“ kann alles rund ums Thema Kinder und Familie anonym in die Givebox gelegt werden.

Familienbeauftragte der Fakultäten und Exzellenzinitiativen

An einer Hochschule wurden Familienbeauftragte für die Fakultäten, das Graduiertenzentrum und die Exzellenzcluster benannt. Sie leisten als Schnittstelle zwischen dem in der Verwaltung angesiedelten Familienservice einerseits und den Fakultäten, dem Graduiertenzentrum und den Exzellenzclustern andererseits wichtige Beiträge für die Umsetzung und Planung familienrelevanter Themen im Sinne der familiengerechten Hochschule. Zu den Aufgaben der Familienbeauftragten gehört es, erste Ansprechpartner/ in für Beschäftigte und Studierende bei allen familienrelevanten Fragen zu sein und fakultätsspezifische Probleme bzw. Probleme in den Exzellenzinitiativen und dem Graduiertenzentrum weiterzuleiten. Die Verbreitung des Informationsangebots des Familien-Service und die Kommunikation von Vereinbarkeitsthemen ist ebenfalls Aufgabe der Familienbeauftragten. Es findet zudem praktische Mitarbeit bei der Erarbeitung und Umsetzung der im „audit familiengerechte hochschule“ vereinbarten Ziele und Maßnahmen statt. Die Familienbeauftragten sind Mitglieder des ebenfalls neu gegründeten Arbeitskreises für Vereinbarkeitsfragen, der von der Vizepräsidentin oder dem Vizepräsidenten für Diversity Management geleitet wird. Verantwortlich für die Benennung der Familienbeauftragten der Fakultäten ist die jeweilige Dekanin oder der jeweilige Dekan.

Ausgewählte Handlungsmöglichkeiten

  • Institutionalisierung von Familienfreundlichkeit, z.B. in Form einer Familienservicestelle, sowie deren Verstetigung und Dauerfinanzierung
  • Schaffung interner und externer Vernetzung: mit Hochschulleitungen und Personaldezernaten, unter Hochschulangehörigen, mit Kommunen, lokalen Familiennetzwerken, Studierendenwerken
  • Etablierung von Familienfreundlichkeit als ein zentrales Ziel der Hochschulleitung
  • Teilnahme an Förderprogrammen