Handlungsfeld: Pflege

Das Handlungsfeld "Pflege" aus unserer Datenbank mit Praxisbeispielen umfasst als Maßnahmenart primär Beratungsleistungen zu grundsätzlichen Fragen, die im Zusammenhang mit der Pflege von Angehörigen auftreten (Pflege-Beratung). Über Beratung hinaus konnte die Maßnahmenart der Pflege-Notfallbetreuung in Kooperation mit einem externen Anbieter registriert werden, die von Hochschulangehörigen bei Ausfall der Regelbetreuung in Anspruch genommen werden kann.


Pflege: zentrale Forschungsergebnisse

Pflege: zentrale Forschungsergebnisse

Viele Hochschulen haben erkannt, dass ein Teil ihrer Studierenden und des wissenschaftlichen Personals Pflegeverantwortung trägt beziehungsweise in Zukunft immer mehr tragen wird und haben begonnen, in diesem Feld aktiv zu werden. Sie reagieren fast ausschließlich mit Informations- und Beratungsangeboten zum Thema Pflege von Angehörigen. Zielgruppe sind dabei meist Studierende und Beschäftigte. Wie die an die Effektiv-Datenbank gemeldeten Beispiele in diesem Handlungsfeld zeigen, dienen die meisten Angebote der Vermittlung von Informationen über gesetzliche Regelungen von Pflegezeiten oder über kommunale Angebote zu Pflege sowie der Kontaktherstellung zu diesen Anbietern. Des Weiteren werden häufig Anträge und Formulare gebündelt zur Verfügung gestellt. Die Informationen werden teilweise online angeboten, teilweise über Flyer oder Broschüren verbreitet. Zudem werden vereinzelt Informationsveranstaltungen angeboten, um für das Thema Pflege zu sensibilisieren und eine Vernetzung der Studierenden und Beschäftigten mit Pflegeverantwortung zu fördern.

Etwa die Hälfte der befragten Hochschulen in der Bestandsaufnahme bietet Beratungen zum Thema Pflege von Angehörigen an. Dieses Angebot wird an einem Teil der Hochschulen durch Workshops zu Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ergänzt. Weil oftmals eine Planungsgrundlage für benötigte Angebote fehlt, führen Hochschulen sehr vereinzelt spezielle Erhebungen durch. Diese erfragen neben der Betreuungsverantwortung für Kinder auch das Thema Pflege. Die Auswahl der an die Effektiv-Datenbank gemeldeten Maßnahmen zeigt, dass das Beratungsangebot zu Pflege häufig in die Familienservicestellen integriert ist, teilweise werden diese Angebote – besonders die direkte (telefonische) Beratung – in enger Kooperation mit kommunalen Partnern angeboten. Es findet sich in den Erhebungen lediglich ein Beispiel für finanzielle Hilfe bei Pflegeverantwortung, die Ermäßigung von Studiengebühren bei der Übernahme einer Pflegeverantwortung.

Während die meisten Hochschulen zu Pflege ausschließlich informieren oder beraten, gibt es an einer Hochschule das Einzelbeispiel einer Pflege-Notfallbetreuung, die in Kooperation mit einem externen Träger angeboten wird. Diese kann von Hochschulangehörigen bei Ausfall der Regelbetreuung in Anspruch genommen werden. Ein weiteres spezielles Angebot richtet sich an Studierende mit Pflegeverantwortung: Eine Hochschule bietet familienfreundliche Studienbedingungen an, die nicht nur von Studierenden mit Verantwortung für Kinder, sondern auch von denjenigen mit Pflegeverantwortung in Anspruch genommen werden können. Diese Maßnahme umfasst beispielsweise Möglichkeiten zur bevorzugten Einschreibung sowie ein großes Angebot an Teilzeitstudiengängen.

Wie die Befragung des wissenschaftlichen Personals ergab, ist das Informations- und Beratungsangebot zur Pflege von Angehörigen bei Wissenschaftler(n)innen am wenigsten bekannt und wird sehr selten genutzt. Die niedrigen Nutzungszahlen sind aber vor dem Hintergrund des geringen Anteils an wissenschaftlich Beschäftigten und Studierenden mit einer Pflegeverantwortung zu erwarten und nicht negativ zu bewerten. Knapp die Hälfte der wissenschaftlich Beschäftigten hält Angebote zum Thema Pflege generell für (sehr) wichtig, um die Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Arbeit zu verbessern. Von den wenigen Wissenschaftler/innen, die Informations- und Beratungsangebote in Anspruch genommen haben, konnte etwa ein Drittel davon (sehr) profitieren. Dies sind erste Hinweise sowohl auf die große (zukünftige) Bedeutung der Angebote als auch auf deren Wirksamkeit.

Dort, wo bereits Informations- und Beratungsangebote zur Pflege existieren, ist der Bedarf des wissenschaftlichen Personals im Wesentlichen gedeckt. Bereits vorhandene Angebote der Hochschulen in diesem Bereich sind also sehr hilfreich. Handlungsbedarf besteht darin, Aktivitäten im Bereich Pflege flächendeckend über alle Hochschulen hinweg anzubieten. Bedarf wird vor allem an gebündelten Informationen zum Thema Pflege und an einer zentralen Anlaufstelle geäußert. Studierende wünschen sich darüber hinaus mehr Flexibilität bei Praktika im Fall einer Pflegesituation sowie eine Ermäßigung der Studiengebühren. Wissenschaftlich Beschäftigte fordern insbesondere eine hohe Flexibilität seitens ihres Arbeitgebers im Falle einer plötzlich auftretenden Pflegesituation, wie Kommentare in der Befragung dieser Gruppe zeigen. Diese Problemlagen sollten bei der Planung von Angeboten mitbedacht werden.

Die Projektergebnisse zeigen, dass Pflegeverantwortung an den vier befragten Hochschulen grundsätzlich als wichtiges Thema wahrgenommen wird, dem man sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zukünftig noch stärker werde widmen müssen. Dabei ist es wichtig, den Familienbegriff um das Thema Pflege zu erweitern und die Unterstützung von Personen mit Pflegeverantwortung in die familienfreundliche Agenda von Hochschulen aufzunehmen. Die in der Effektiv-Datenbank enthaltenen Beispielmaßnahmen zeigen, dass Informations- und Beratungsangebote zur Vereinbarkeit von Beruf oder Studium und Familie bislang häufiger eine Verantwortung für Kinder fokussieren und die Pflege von Angehörigen seltener berücksichtigen.

In Wirksamkeitsstudien und Evaluationen zu familienfreundlichen Maßnahmen ist die Pflege von Angehörigen nur sehr selten ein Thema. Die Schaffung belastbarer Daten ist daher eine erste notwendige Aktivität. Die befragten Hochschulen schätzen die Konzeption wirksamer Maßnahmen im Bereich Pflege grundsätzlich als schwieriger ein als im Bereich Elternschaft, da Dauer und Zeitpunkt des Auftretens von Pflege meist nicht absehbar ist. Die Aufgabe für Hochschulen besteht zukünftig darin, für die genannten Schwierigkeiten praktikable Lösungen finden.

Pflege: ausgewählte Praxisbeispiele

Pflege: ausgewählte Praxisbeispiele

Online Pflege-Ratgeber für Beschäftigte

Eine Hochschule bietet für ihre Beschäftigten und deren Familienangehörige einen umfangreichen Online-Pflege-Ratgeber an. Nach Erhalt der Zugangsdaten kann dieser kostenlos genutzt werden. Die Beschäftigten finden darin strukturierte Informationen und hilfreiche Ratschläge, können mit der Pflegeanbieter-Suchmaschine deutschlandweit Pflegeheime oder ambulante Pflegedienste finden oder sich mit Pflege-Expert/innen oder anderen Beschäftigten der Hochschule in einem interaktiven Mitarbeitenden-Forum, auch anonym, austauschen. Der Online Pflege-Ratgeber hat eine für die Hochschule individualisierte Startseite, auf welcher weitere interne Informationen platziert werden können. Regelmäßige Analysen belegen eine sehr gute Nutzung sowie durchweg positive Rückmeldungen. Allerdings bleibt es wichtig, das Thema und das Angebot beständig zu kommunizieren. Dieser Service wird vom für Familie zuständigen Dezernat in Zusammenarbeit mit einem privaten Anbieter angeboten, der für Aufbau und professionelle Betreuung des Portals verantwortlich ist.

Notfallbetreuung für pflegebedürftige Angehörige und für Kinder

Für den Fall, dass die Regelbetreuung ausfällt, bietet eine Hochschule eine kostenlose Notfallbetreuung für Studierende, Beschäftige und Teilnehmer/innen von Fort- und Weiterbildungen der Hochschule an. Die Notfallbetreuung für pflegebedürftige Angehörige wird von einem privaten Anbieter übernommen. Die Notfallbetreuung für Kinder wird an einem Hochschulstandort über zwei Tagesmütter und am anderen Standort von einer privaten Einrichtung abgedeckt. Umgesetzt wird das Angebot vom Familienservice der Gleichstellungsbeauftragten.

Unterstützungsangebote für Studierende mit pflegebedürftigen Angehörigen

Im Rahmen des Best-Practice-Clubs im Programm „Familie in der Hochschule“ führte eine Hochschule ein Pilotprojekt zum Thema Studierende mit pflegebedürftigen Angehörigen durch. Dabei wurden spezielle Probleme und Bedürfnisse Studierender mit pflegebedürftigen Angehörigen bei der Vereinbarkeit von Familie und Studium beleuchtet und es wurde untersucht, wie diese bei Pflegeaufgaben von ihrer Hochschule sinnvoll unterstützt und Hochschulressourcen sinnvoll eingesetzt werden können. Zudem wurde geprüft, welche Unterstützungsangebote bzw. Dienstleistungen auf dem Markt angeboten werden und inwieweit diese für Hochschulen nutzbar sind bzw. sich in die Serviceleistungen von Hochschulen, z.B. durch Kooperationen, integrieren lassen. Des Weiteren wurden Umfragen durchgeführt und eine Infobörse zum Thema Pflegebedürftigkeit veranstaltet, die gleichzeitig auch als Kontaktbörse genutzt werden soll. Abgerundet wird das Angebot durch ein online zugängliches Service- und Beratungsangebot. Ein Ratgeber für andere Hochschulen wurde entwickelt. Dieser Ratgeber ist online zugänglich und in der Effektiv-Datenbank zu finden. Diese Maßnahme wurde vom Gleichstellungsbüro der Hochschule umgesetzt.

Ausgewählte Handlungsmöglichkeiten

  • Erhebung der Pflegesituation von Hochschulangehörigen und Ermittlung von Informations- und Beratungsbedarf
  • Bündelung von Informationen und Schaffung von Beratungsangeboten, z.B. Schaffung einer zentralen Anlaufstelle
  • Integration des Themas Pflegeverantwortung in Konzepte der Familienfreundlichkeit
  • Entwicklung von flexiblen Arbeitszeit- und Arbeitsortregelungen im Fall der Übernahme von Pflegeverantwortung