Forschungsergebnisse

Studium und Elternschaft

Studium und Elternschaft

Kinderwunsch im Studium, Anteile Studierender mit Kind und Unterbrechungen des Studiums aus Gründen der Elternschaft

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Im Herbst 2012 hatten insgesamt 5,6 Prozent der Studierenden ein Kind (HISBUS-Panel) – Studentinnen anteilig etwas häufiger als Studenten (6,5 % vs. 4,8 %). Die meisten studierenden Eltern haben ein einzelnes Kind (60 %), 29 Prozent haben zwei Kinder, jede/r Zehnte hat mehr als zwei Kinder. Die durchschnittliche Kinderzahl beträgt 1,5. Fast jeder zweite dieser Studierenden hatte bereits zu Studienbeginn mindestens ein Kind (49 %), die anderen (51 %) wurden im Verlaufe des Studiums erstmals Mutter beziehungsweise Vater.

Die Mehrheit der studentischen Eltern hat mindestens ein Kind im betreuungsrelevanten Alter: Bei 69 Prozent dieser Studierenden ist das (jüngste) Kind noch im Kinderkrippen- oder Kindergartenalter; bei 22 Prozent im Schulalter. Knapp jede/r zehnte dieser Studierenden hat ein (jüngstes) Kind, das älter als 15 Jahre ist.

Je nach Anzahl der Kinder lassen sich bezüglich des Geburtszeitpunktes des ersten Kindes erhebliche Unterschiede feststellen. Studierende, die ein einzelnes Kind haben, bekamen es mehrheitlich während des Studiums (66 %). Studierende mit zwei Kindern haben ihr Studium hingegen ganz überwiegend erst nach der Geburt ihres ersten Kindes aufgenommen (73 %). Bei drei von vier dieser Studierenden kam auch das zweite Kind bereits vor dem Studium zur Welt.

Insbesondere Frauen immatrikulieren sich erst nach der Geburt ihrer Kinder: Bei 61 Prozent der Mütter lag auch der Geburtszeitpunkt des zweiten Kindes vor Studienbeginn (vs. 49 % der Väter). Unabhängig davon, ob das erste Kind vor Studienbeginn oder während des Studiums zur Welt kam, war es nur von etwa der Hälfte der Eltern zu diesem Zeitpunkt auch geplant. 28 Prozent wünschten sich zwar ein Kind, aber eigentlich erst etwas später. Von jeder/jedem siebten Studierenden mit Kind war die Schwangerschaft (der Partnerin) eigentlich nicht gewollt und sechs Prozent geben an, zwiespältig und unentschieden gewesen zu sein. Zwischen Männern und Frauen gibt es diesbezüglich keine Unterschiede. Das zweite Kind kam – anders als das erste Kind – beim überwiegenden Teil der studierenden Eltern zum geplanten Zeitpunkt (80 %). 17 Prozent der Studierenden wäre ein etwas späterer Zeitpunkt im oder nach dem Studium lieber gewesen. Lediglich drei Prozent wollten die zweite Schwangerschaft eigentlich nicht und ein Prozent war zwiespältig. Ein zweites Kind hätten Männer häufiger als Frauen gern etwas später gehabt (20 % vs. 15 %).

Die aktuellen Befunde der HISBUS-Befragung bestätigen erneut, dass jede/r dritte Studierende mit Kind eine Unterbrechung des Studiums wegen einer Schwangerschaft oder der Betreuung eines Kindes vornimmt. Diese Studienunterbrechung umfasst durchschnittlich drei Semester. Bei Frauen ist der Anteil an Studienunterbrechungen wegen Schwangerschaft oder Kinderbetreuung mit 42 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei Männern (19 %). Die Anzahl der Kinder ist weniger ausschlaggebend für eine Studienunterbrechung (ein Kind: 33 %, mehr als ein Kind: 31 %) als der Geburtszeitpunkt. Wurde das erste Kind vor Studienbeginn geboren, unterbrechen 16 Prozent der Eltern ihr Studium zur Betreuung des Kindes. Bei einem Geburtszeitpunkt während des Studiums liegt der Anteil der Studienunterbrecher/innen aufgrund von Mutterschutz und Elternzeit mit 48 Prozent dreimal so hoch. Frauen unterbrechen ihr Studium deutlich häufiger als Männer – und zwar sowohl bei einer Geburt vor Studienbeginn (19 % vs. 11 %) als auch bei einer Geburt während des Studiums (64 % vs. 26 %). Im Mittel unterbrechen die Studentinnen insgesamt beziehungsweise die studierenden Eltern an westdeutschen Hochschulen ihr Studium vier Semester lang wegen Schwangerschaft oder Kinderbetreuung; Studenten insgesamt beziehungsweise studierende Eltern an ostdeutschen Hochschulen hingegen im Mittel drei Semester. Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Hochschulen zeigen sich vor allem bei den Anteilen der Studierenden mit langen Unterbrechungszeiten. An ostdeutschen Hochschulen unterbrachen zehn Prozent der Eltern ihr Studium länger als vier Semester. Gleiches trifft auf 24 Prozent der Eltern an westdeutschen Hochschulen zu.

Die Studierenden haben überwiegend eine positive Einstellung gegenüber Kindern – egal ob sie bereits Eltern sind oder nicht. Das zeigt sich z.B. an ihrem Kinderwunsch: 81 Prozent wünschen sich (mindestens) ein Kind, 14 % wissen noch nicht, ob sie einmal Kinder haben möchten. Lediglich fünf Prozent der Studierenden haben ausdrücklich keinen Kinderwunsch. Männer und Frauen sind sich hinsichtlich der gewünschten Kinderzahl weitgehend einig. Nur vier Prozent der Befragten wollen es bei einem Kind belassen. Fast die Hälfte der Studierenden wünscht sich eine Familie mit zwei Kindern. Ein weiteres Viertel plant drei Kinder. Eine Familie mit vier und mehr Kindern stellen sich sechs Prozent der Studierenden vor. Gegen ein Kind sprechen sich sechs Prozent der Studentinnen und vier Prozent der Studenten aus. Gemessen an dieser Verteilung hat sich die Kinderzahl, die sich Studierende wünschen, im vergangenen Jahrzehnt kaum verändert.

In Bezug auf den Zeitpunkt der Familiengründung möchten die angehenden Akademiker/innen ein erstes oder weiteres Kind in der Regel erst, wenn sie einen sicheren Arbeitsplatz (40 %) oder ausreichend Berufserfahrung gesammelt (18 %) haben. Weitere sechs Prozent planen ein Kind sobald der Partner/die Partnerin einen sicheren Arbeitsplatz gefunden hat. Die Studienphase wird dagegen lediglich von drei Prozent der mit dem HISBUS befragten Studierenden als günstiger Zeitpunkt für die Geburt des ersten oder eines weiteren Kindes angesehen. Sieben Prozent von ihnen möchten unmittelbar nach Abschluss des Studiums ein Kind und genau so vielen ist der Zeitpunkt gleichgültig. Fast jede/r fünfte Studierende hat sich über einen passenden Geburtszeitpunkt noch keine Gedanken gemacht. Auch diese Befunde haben sich als über das vergangene Jahrzehnt hinweg als weitgehend stabil erwiesen.

Diejenigen, die mit Kind studieren, haben die Vereinbarkeit von beidem recht unterschiedlich erlebt: Mehr als jede/r zweite Studierende des HISBUS-Panels würde ohne weitere Bedingungen wieder mit Kind studieren (56 %), an der Fallhochschule Jena sogar fast zwei Drittel (65 %). Fünf beziehungsweise vier Prozent der Studierenden würden erst ein Studium aufnehmen, wenn das Kind eine größere Selbständigkeit erreicht hat. Diese beiden Positionen zusammengenommen, sieht die Mehrheit der Studierenden mit Kind Studium und Kind als (prinzipiell) vereinbar an (HISBUS: 61 %, Jena 70 %). Studierende, die erst während des Studiums Eltern geworden sind, vertreten häufiger die Ansicht, dass Studium und Kind miteinander vereinbar ist als Studierende, die mit Kind ins Studium starteten (HISBUS: 64 % vs. 56 %). Bei der Bewertung der Vereinbarkeit zeigen sich deutliche Ost-West-Unterschiede: Zwei Drittel der im Studium Eltern gewordenen Studierenden in Ostdeutschland gehen von einer (prinzipiellen) Vereinbarkeit aus (HISBUS: 75 %). Von der gleiche Gruppe Studierender in Westdeutschland sind lediglich 55 % übereinstimmender Meinung. Gleichzeitig bringen 35 % dieser Studierenden zum Ausdruck, dass sie nicht noch einmal mit Kind studieren würden (Ost: 12 %).

Partnerschaftliche Arbeitsteilung und Familienbilder

Partnerschaftliche Arbeitsteilung und Familienbilder

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Partnerschaftliche Arbeitsteilung und Familienbilder der Studierenden

Die Studierenden wurden danach gefragt, wie sie sich ihre eigene Einbindung und die ihres Partners beziehungsweise ihrer Partnerin in das Berufsleben oder ein Studium vorstellen, wenn sie noch ohne Kind sind und wenn sie ein Kind haben. Egalitäre Modelle der Arbeitsteilung (beide Partner sind in gleichem Umfang (nicht) berufstätig oder studieren) und traditionelle Vorstellungen (der Mann ist vollzeiterwerbstätig oder studiert, die Frau unterbricht oder reduziert ihre Erwerbstätigkeit bzw. ihr Studium) sind auch unter den Studierenden am häufigsten anzutreffen; alternative Modelle (eine höhere Studien- bzw. Erwerbsintegration der Frau) oder unbestimmte Vorstellungen sind hingegen sehr selten.

Studierende des HISBUS-Panels streben für den Lebensabschnitt ohne Kind ganz überwiegend eine egalitäre Erwerbs- beziehungsweise Studienintegration beider Partner an (Frauen 94 %, Männer 85 %). Diese Vorstellungen ändern sich jedoch deutlich, sobald ein Kind zu versorgen ist. Studentinnen folgen dann in stärkerem Maße als Studenten traditionellen Mustern: Im ersten Lebensjahr des Kindes erhalten lediglich 18 Prozent der Frauen die Vorstellung einer egalitären Beteiligung an Studium oder Erwerbstätigkeit aufrecht, bei den Männern wünscht sich Gleiches ein Drittel (34 %). Je älter das (imaginierte) Kind ist, desto höher ist der Anteil der Studentinnen und Studenten, die sich für beide Partner eine gleich starke Integration in Job oder Studium wünschen. Männer haben sich zu Fragen des Arbeits- bzw. Studienumfangs beider Partner häufiger noch keine Gedanken gemacht als Frauen (10 % vs. 4 %).

Zwischen den Studierenden an ost- und westdeutschen Hochschulen zeigen sich bezüglich der Vorstellungen zur partnerschaftlichen Arbeitsteilung erhebliche Unterschiede. Die Studierenden in Ostdeutschland wünschen sich jeweils signifikant häufiger eine egalitäre und diejenigen aus Westdeutschland häufiger eine traditionelle Arbeitsteilung. Während der regionalspezifische Unterschied bei der egalitären Arbeitsteilung im ersten Lebensjahr des Kindes noch relativ gering ist (Ost 33 % vs. West 25 %) und hierbei jeweils eine Teilzeittätigkeit beider Partner präferiert wird, erhöht sich die Differenz, wenn das Kind zwischen ein und drei Jahre alt ist (egalitäre Arbeitsteilung: Ost 46 % vs. West 32 %). Ab einem Kindesalter von vier Jahren hat sich der Ost-West-Unterschied weiter vergrößert: So wünschen sich von den Studierenden in Ostdeutschland 71 Prozent eine egalitäre Arbeitsteilung, wenn das Kind im Grundschulalter ist. Gleiches stellen sich lediglich 51 Prozent der Studierenden in West- deutschland vor, während der Wunsch nach traditioneller Arbeitsteilung hier weiter verbreitet ist als in Ostdeutschland (30 % vs. 12 %).

Der Partner/die Partnerin derjenigen Studierenden, die bereits ein Kind haben und mit ihm überwiegend in einem Haushalt zusammen wohnen, hat eine große Bedeutung für die Betreuung des Kindes und damit die Ermöglichung, Studium und/oder Job zu verfolgen. Männer können dabei wesentlich häufiger auf die Unterstützung durch ihre (Ehe)Partner/in zurückgreifen als Frauen. Vom HISBUS-Panel gaben 72 Prozent der Studenten mit Kind an, dass ihre Partner/in das Kind betreue, wenn sie studieren oder erwerbstätig sind. Bei den Studentinnen wird das Kind deutlich seltener von der Partnerin/dem Partner betreut (43 %). Mehr als jede zweite Studentin (52 %) kümmert sich selbst um ihr Kind, indem sie zu Hause studiert oder das Kind mit zur Hochschule nimmt. Gleiches tun lediglich 36 Prozent der Studenten mit Kind. Auch in Notfällen können Letztere anteilig deutlich häufiger auf ihre Partnerin/ihren Partner zurückgreifen als Studentinnen (93 % vs. 72 %). Studentinnen mit Kind nutzen bei der Kinderbetreuung häufiger Betreuungseinrichtungen (58 % vs. 44 %) bzw. die Großeltern des Kindes (36 % vs. 24 %) und greifen auch im Notfall häufiger auf ihre Eltern und/oder Freunde zurück.

Partnerschaftliche Arbeitsteilung und Familienbilder des wissenschaftlichen Personals

Die befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler leben mit großer Mehrheit in Partnerschaften (86 %). Etwa 80 Prozent leben permanent in einem gemeinsamen Haushalt, 12 Prozent leben nur tageweise bzw. am Wochenende zusammen. Bei Paaren mit Kind ist der Anteil der permanent Zusammenlebenden mit 91 Prozent noch höher. Die Aufteilung von Hausarbeiten sowie der Aufgaben zur Betreuung des Kindes folgt in unserer Stichprobe einer eher traditionell geprägten Rollenaufteilung. Damit stellt sich die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Wissenschaftlerinnen verschärft dar: Sowohl in Partnerschaften ohne Kind (Frauen: 58 %, Männer 37 %) als auch in Partnerschaften mit Kind (59 % vs. 32 %) wird von Wissenschaftlerinnen mehr als die Hälfte der gesamten Hausarbeit übernommen, Wissenschaftler steuern mit etwa einem Drittel deutlich weniger bei. Bei der Versorgung und Betreuung von Kindern findet sich eine ähnliche Aufteilung (56 % vs. 33 %). Der übrige Teil der Haus- bzw. Fürsorge-arbeit wird ausgelagert und hauptsächlich durch bezahlte Hilfe geleistet, unbezahlte Hilfe spielt eine geringere Rolle. Professorinnen nehmen am häufigsten bezahlte Hilfe durch Dritte in Anspruch. Bezüglich der Daten ist zu berücksichtigen, dass die Selbstangaben zur Aufgabenverteilung nicht durch die Angaben des jeweiligen Partners beziehungsweise der Partnerin validiert sind.

Zur persönlichen Balance zwischen wissenschaftlicher Arbeit und Privatleben gibt es keine eindeutigen Trend der Meinung unter den befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten stimmt der Aussage Mit meiner derzeitigen Balance von Arbeits- und Privatleben bin ich sehr zufrieden eher zu - dabei sind knapp ein Viertel der Befragten ‚zufrieden‘ und etwa neun Prozent ‚voll und ganz zufrieden‘. Die anderen knapp 50 Prozent der Befragten sind eher unzufrieden. Wissenschaftlich Beschäftigte mit Kind sind dabei signifikant unzufriedener mit ihrer Balance zwischen beruflichen Verpflichtungen und privatem Leben als Kinderlose, hierbei besteht kein Geschlechterunterschied. An Zeit mangelt es mehrheitlich eher für das Privatleben als für die Arbeit.

Erfahrungen des wiss. Personals mit familienfreundlichen Angeboten

Erfahrungen des wiss. Personals mit familienfreundlichen Angeboten

Die Familienfreundlichkeit von Hochschulen aus Sicht des wissenschaftlichen Personals wurde an vier Fallhochschulen mit Hilfe einer Online-Befragung untersucht

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Familienfreundliche Maßnahmen steigern aus Sicht des wissenschaftlichen Personals generell die Attraktivität des Arbeitsortes Hochschule. Das tatsächliche Angebot an Maßnahmen wird jedoch nur als mittelmäßig befriedigend eingeschätzt: Lediglich ein Viertel der Befragten ist (voll und ganz) zufrieden. Etwa die Hälfte der Befragten äußerte sich eher zufrieden, etwa die Hälfte eher unzufrieden.

Das familienfreundliche Klima an der Hochschule wird von den Befragten positiver eingeschätzt. Die Mehrheit hat nicht den Eindruck, dass an ihrer Hochschule die Meinung herrsche, familiäre Verpflichtungen würden sich negativ auf die Arbeit auswirken oder dass Eltern an der Hochschule ausgegrenzt würden. Auf der anderen Seite stimmt ein größerer Teil, insbesondere weibliche Befragte, der Aussage zu, dass an der Hochschule ohne familiäre Verpflichtungen bessere berufliche Perspektiven bestehen.

Die Palette der angebotenen Maßnahmen entspricht grundsätzlich den Bedürfnissen des wissenschaftlichen Personals und wird ihm auch in Zukunft entsprechen. Es bestehen jedoch weiterhin ungedeckte Bedarfe, was darauf schließen lässt, dass die Angebote teilweise nicht hinreichend bekannt, nicht hochschulweit vorhanden oder nicht passgenau konzipiert sind.

Von allen untersuchten Maßnahmen im Bereich der familienfreundlichen Arbeitszeitgestaltung konnten die Befragten mit Blick auf ihre Vereinbarkeitssituation deutlich profitieren. Flexible Arbeitszeiten sind dabei die bekannteste und als einzige von über der Hälfte der Befragten genutzte Maßnahme. Arbeitszeitreduzierungen aus Vereinbarkeitsgründen sowie familienfreundliche Terminsetzungen sind vergleichsweise weniger bekannt und werden weniger genutzt. Ein relativ hoher ungedeckter Bedarf besteht vor allem an flexiblen Arbeitszeiten und familienfreundlichen Terminsetzungen.

Die bekannteste und am meisten genutzte Maßnahme im Bereich der Kinderbetreuung ist die regelmäßige Kinderbetreuung, gefolgt von der flexiblen Kinderbetreuung und der Ferienbetreuung. Die Babysitting-Börse ist deutlich weniger bekannt. Auch an diesen Angeboten besteht ein deutlicher, wenn auch geringerer, ungedeckter Bedarf. Die Befragten gaben an, von allen Angeboten aus diesem Bereich profitiert zu haben.

Im Bereich der Information und Beratung sind Informationsvermittlungsangebote wie Broschüren und Webseiten am bekanntesten und werden am häufigsten genutzt. Weniger bekannt sind Angebote an persönlicher Beratung und Workshops und Coachings. Maßnahmen aus diesem Bereich dienen vorrangig der Information über Angebote und haben erwartungsgemäß keine direkte Wirkung auf die Vereinbarkeitssituation. Die relativ hohe Nutzung sowie ein hoher zukünftiger Bedarf weisen jedoch auf eine eigenständige Bedeutung dieser Maßnahmen hin.

Im Bereich der Infrastrukturangebote haben die kinderfreundliche Mensa sowie Still- und Wickelräume einen vergleichsweise hohen Bekanntheits- und Nutzungsgrad. Eltern-Kind-Zimmer sind zwar relativ wenig bekannt und werden selten genutzt, wissenschaftlich Beschäftigte profitieren jedoch stärker von ihnen als von den beiden anderen genannten Angeboten. Auffallend an den Maßnahmen aus diesem Bereich ist die große Variation des Bekanntheits- und Nutzungsgrades zwischen den untersuchten Hochschulen. Dies könnte ein Hinweis auf qualitative Unterschiede dieser Angebote sein, z.B. hinsichtlich Ausgestaltung, Lage oder Informationsmaterialien.

Maßnahmen im Bereich Pflege richten sich an eine insgesamt nur sehr geringe Anzahl von Personen, da der Anteil derjenigen mit Pflegeverantwortung selbst gering ist. Die im Bereich Pflege untersuchte Einzelmaßnahme – das Informations- und Beratungsangebot zur Pflege von Angehörigen – ist insgesamt am wenigsten bekannt und wird selten genutzt.

Insgesamt zeigt sich, dass die Mehrheit der familienfreundlichen Angebote der Fallhochschulen noch relativ wenig genutzt wird. Lediglich 5 der 15 an den Fallhochschulen untersuchten familienfreundlichen Angebote (siehe Grafik oben) sind über der Hälfte der Befragten mit Kind bekannt. Die überwiegend geringe Bekanntheit der Maßnahmen spiegelt sich in teilweise relativ niedrigen Nutzungszahlen wieder. Die Ergebnisse zur Wirksamkeit weisen jedoch auf die große Bedeutung derartiger Angebote für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hin. Ein Großteil der Maßnahmen, vor allem aus den Bereichen familienfreundliche Arbeitsbedingungen und Kinderbetreuung, hat nachweislich einen deutlich positiven Effekt auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Insbesondere eine familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung, Kinderbetreuungsangebote und das Eltern-Kind-Zimmer führen zu zeitlichen Entlastungen auf privater und beruflicher Ebene und generell zu einer gefühlten Verbesserungen der Lebensqualität (weniger Stress, höhere Zufriedenheit, intensivere Beziehung) und der Arbeitssituation (höhere Produktivität).

Der bei verschiedenen Angeboten festgestellte ungedeckte Bedarf gibt Hinweise darauf, dass die Qualität bzw. Quantität einiger Angebote noch verbessert werden muss. Grundsätzlich gehört zu einer familienfreundlichen Hochschule aus Sicht des wissenschaftlichen Personals aber auch die Schaffung längerfristiger beruflicher Perspektiven.

Erfahrungen der Studierenden mit familienfreundlichen Angeboten

Erfahrungen der Studierenden mit familienfreundlichen Angeboten

Die Familienfreundlichkeit aus Sicht der Studierenden wurde mit Hilfe des HISBUS-Panels sowie exemplarische an einer der Fallhochschulen mittels einer Vollerhebung untersucht

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Für viele Studierende ohne Kind ist „Familienfreundlichkeit“ kein Thema, zu dem sie sich bis dato eine Meinung gebildet hätten. Studierende mit Kind hingegen geben deutlich häufiger ein Urteil ab, das zudem tendenziell kritischer ausfällt. Lediglich etwa ein Drittel von ihnen ist der Ansicht, dass an ihrer Hochschule gut über die Angebote, Maßnahmen und Studienbedingungen zur Vereinbarkeit von Studium und Kind informiert wird. Studierende, die sich mit dem Gedanken tragen, möglicherweise noch während des Studiums eine Familie zu gründen, zeigen sich in Bezug auf familienfreundliche Maßnahmen deutlich besser informiert als die anderen Studierenden ohne Kind.

Relativ wenige Studierende mit Kind finden, dass es an ihrer Hochschule viele Angebote, Maßnahmen und Studienbedingungen gibt, die eine Vereinbarkeit von Elternschaft und Studium ermöglichen (HISBUS: 21 %, Jena: 35 %). Dementsprechend beschreibt jede/r zweite Studierende mit Kind den Bedarf an Angeboten zur Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft als nicht gedeckt (HISBUS: 52 %, Jena: 47 %). Lediglich ein Viertel aller Studierenden mit Kind (HISBUS: 24 %) ist mit der Familienfreundlichkeit der Hochschule insgesamt (sehr) zufrieden. Im Vergleich dazu bescheinigen an der Fallhochschule Jena fast zwei Fünftel der Studierenden mit Kind der Universität (38 %), familienfreundlich zu sein.

Die tatsächliche Nutzung familienfreundlicher Angebote durch die Studierenden mit Kind fällt insgesamt recht gering aus, was auch damit zusammenhängt, dass entsprechende Angebote nicht in jedem Fall von der Hochschule unterbreitet werden. Auf der anderen Seite gibt es einen konkreten Bedarf an familienfreundlichen Maßnahmen, der von den Studierenden benannt wurde.

Im Bereich Familienfreundliche Studienbedingungen ist das Teilzeitstudium an der Fallhochschule Jena zwei Dritteln der Studierenden ohne Kind bekannt. Weit weniger bekannt sind z.B. Möglichkeiten, die Studienzeit familienfreundlich zu gestalten oder die Regelstudienzeit zu verlängern. Studierende mit Kind nutzen familienfreundliche Studienzeiten real am häufigsten (HISBUS: 22 %, Jena: 34 %). Vergleichsweise selten  werden Angebote genutzt, die eher flexibel und punktuell eingesetzt werden, z.B. Ausnahmeregelungen wegen Krankheit des Kindes oder die Reduktion der Anwesenheitspflicht.

Studienbedingungen sind vor allem dann familienfreundlich, wenn sie zeitlich entlasten: Mehr als zwei Drittel der Studierenden mit Kind betonen ihren Bedarf an Ausnahmen wegen der Krankheit des Kindes (HISBUS 78 %, Jena: 84 %) und an familienfreundlichen Studienzeiten (HISBUS: 76 %, Jena: 82 %). Hinzu kommt ein großer Bedarf an längeren Fristen zum Beispiel bei Seminar- und Abschlussarbeiten (HISBUS: 73 %, Jena: 70 %).

Angebote aus dem Bereich Infrastruktur für Familien sind gut sichtbar und deshalb auch Studierenden ohne Kind gut bekannt (56 %), so z.B. die Kinder-Ecke in der Mensa in Jena, die auch gut angenommen wird. Weniger häufig wird von Still- und Wickelräumen sowie vom Eltern-Kind-Zimmer Gebrauch gemacht. Dennoch besteht ein nennenswerter Bedarf an Still- und Wickelräumen (HISBUS: 56 %, Jena: 75 %) und Eltern-Kind-Zimmern (HISBUS: 56 %, Jena: 54 %). Ein großer Bedarf besteht außerdem bei Rahmenbedingungen wie der Kinderfreundlichkeit der Mensa (an der Fallhochschule: kostenloses Kinderessen 75 %, Kinder-Ecke mit angepasstem Mobiliar 65 %).

Die Studierenden ohne Kind, die an der Fallhochschule Jena immatrikuliert sind, kennen das Angebot einer flexiblen Kinderbetreuung anteilig häufiger als die Möglichkeit zur (ganztägigen) regelmäßigen Kinderbetreuung (43 % bzw. 32 %). Sowohl bundesweit wie auch an der Fallhochschule Jena werden regelmäßige Angebote zur Kinderbetreuung deutlich häufiger in Anspruch genommen (HISBUS: 14 %, Jena: 28 %) als flexible Kinderbetreuungsangebote (HISBUS: 6 %, Jena: 20 %). Zwei Drittel der Studierenden mit Kind unterstreichen ihren Bedarf sowohl an flexiblen Betreuungsangeboten (HISBUS: 67 %, Jena: 50 %) als auch an regelmäßiger Betreuung (HISBUS: 56 %, Jena: 72 %). Am Beispiel des Bedarfs an regelmäßiger Betreuung zeigt sich, dass der formulierte Bedarf auch Ausdruck des Wunsches am Fortbestehen bereits genutzter Maßnahmen ist.

Im Bereich Finanzielles und Förderung zeigt sich, dass das elternunabhängige BAföG unter den Studierenden ohne Kind eher bekannt ist als die Möglichkeit einer Verlängerung der BAföG-Förderungshöchstdauer infolge einer Schwangerschaft oder Pflege und Erziehung eines Kindes. Korrespondierend zum hohen Bekanntheitsgrad wird das elternunabhängige BAföG von Studierenden mit Kind tatsächlich etwas häufiger genutzt als eine Verlängerung der BAföG-Förderung (11 % bzw. 7 %), wenngleich der formulierte Bedarf an elternunabhängigem BAföG wesentlich höher ist als die gegenwärtige Nutzungsquote. Mehr als drei Viertel der Studierenden mit Kind äußern Bedarf an einer elternunabhängigen Studienförderung (HISBUS: 77 %, Jena: 88 %) bzw. an einer Verlängerung der Höchstdauer der BAföG-Förderung (HISBUS: 77 %, Jena: 87 %).

An der Fallhochschule Jena kennen ein Viertel der Studierenden ohne Kind Angebote der Information und Beratung für Studierende mit Kind. Tatsächlich genutzt werden sie bundesweit von 12 Prozent der Studierenden mit Kind bzw. in Jena von 15 Prozent. Mehr als die Hälfte der Studierenden betont einen entsprechenden Bedarf (HISBUS: 58 %, Jena: 56 %).

Hinsichtlich der Wirksamkeit der Maßnahmen zeigt sich insgesamt, dass alle Maßnahmen von den Nutzenden auf einem sehr hohen Niveau als hilfreich empfunden werden und somit grundsätzlich den Bedürfnissen der Studierenden entsprechen. Mehr als die Hälfte der Studierenden mit Kind würde wieder mit Kind studieren.

Umsetzung von Familienfreundlichkeit aus Sicht der Schlüsselakteur/innen

Umsetzung von Familienfreundlichkeit aus Sicht der Schlüsselakteur/innen

Gruppendiskussionen an den vier Fallhochschulen mit den zuständigen Personen auf Leitungs- und Umsetzungsebene

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Eine familienfreundliche und familiengründungsgerechte Atmosphäre zu schaffen wird von den mit der Umsetzung befassten Personen in allen Gruppendiskussionen als ein zentrales Ziel der Bemühungen um mehr Familienfreundlichkeit benannt. Die bestehende Arbeitskultur in der Wissenschaft wird teilweise als diesem Ziel entgegenstehend betrachtet; gleichzeitig wird eine gestiegene gesamtgesellschaftliche Relevanz des Themas Familienfreundlichkeit wahrgenommen und aufgegriffen. Eine familienfreundliche Atmosphäre äußert sich nach Meinung der Diskussionsteilnehmenden vor allem darin, dass die Betroffenen bestehende Vereinbarkeitsprobleme und Unsicherheiten offen äußern können. An allen Hochschulen wird in Folge der bisherigen Bemühungen ein beginnender Kulturwandel in Richtung einer familienfreundlicheren Atmosphäre beobachtet. Bei den Studierenden besteht aus Sicht der Diskussionsteilnehmenden die Wahrnehmung, dass ein Studium mit Kind inzwischen grundsätzlich als realisierbar empfunden werde und entsprechend seltener zum Studienabbruch führe.

Eine in den Diskussionen geäußerte zentrale Motivation, sich um mehr Familienfreundlichkeit zu bemühen, besteht in dem Wunsch, sich im verschärften Wettbewerb um hochqualifiziertes Personal zu behaupten; hauptsächliche Zielgruppe sind dabei die Professorinnen und Professoren. Mehrfach wird auf eine steigende Anzahl an Dual-Career-Paaren verwiesen, woraus sich ebenfalls eine steigende Wertigkeit von Familienfreundlichkeit ergibt. Weitere Antriebe, sich um mehr Familienfreundlichkeit zu bemühen, entstehen durch individuelle Motivationen der beteiligten Akteurinnen und Akteure sowie durch die Teilnahme der Hochschule an entsprechenden Förderprogrammen. Studierende werden vor allem an den Hochschulstandorten, die als weniger attraktiv eingeschätzt werden, explizit als Zielgruppe für Familienfreundlichkeit benannt; die Motivation für mehr Familienfreundlichkeit scheint dementsprechend auch im Hinblick auf die Studierenden in Teilen vom Wettbewerbsgedanken geprägt.

Als wichtigste strukturelle Rahmenbedingungen für Familienfreundlichkeit werden planbare und längerfristige Vertragslaufzeiten genannt, außerdem ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten und eine familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung. Außerdem wird betont, dass die Unterstützung durch die Hochschulleitung und die Führungskräfte an der Hochschule essentiell für den Erfolg sei. Es wird jedoch als sehr schwierig empfunden, die Führungskräfte (z.B. in den Dekanaten oder Professor/innen) zu erreichen. Dies wird mit der Autonomie der Fakultäten und Lehrstühle begründet und damit, dass keine offiziellen Sanktionsmöglichkeiten bestünden.

Der verschärfte Wettbewerb um Forschungsmittel, steigende Drittmittelquoten, ein hoher Anteil an befristeten Verträgen im wissenschaftlichen Mittelbau und ein hoher Arbeitsdruck werden als Barrieren gegen die Umsetzung von Familienfreundlichkeit empfunden. Die Diskussionsteilnehmenden betonen, hier nur innerhalb des ihnen gegebenen begrenzten Handlungsspielraums aktiv werden zu können.

Durch die große Zahl an befristeten Verträgen ergibt sich eine hohe Fluktuation der Mitarbeitenden. Im Bereich der Information und Beratung macht dies nach Aussage der Diskussionsteilnehmenden eine dauerhafte hochschulinterne Öffentlichkeitsarbeit notwendig, da die Maßnahmen zur Förderung der Familienfreundlichkeit unter den Hochschulangehörigen ansonsten nicht ausreichend bekannt seien.

Eine mangelhafte Datenlage führt dazu, dass die Diskussionsteilnehmenden Notwendigkeiten für und die Wirkung von Maßnahmen vor allem aus persönlichem Erfahrungswissen heraus einschätzen. Alle betonen dementsprechend, dass der Prozess der Umsetzung von Familienfreundlichkeit ein dauerhafter Lernprozess sei. Es wird ein großes Interesse an belastbaren Daten artikuliert.

Insgesamt zeigt sich, dass die Diskussionsteilnehmenden an allen vier Fallhochschulen zufrieden mit dem bisherigen Prozess der Umsetzung von Familienfreundlichkeit sind. Sie berichten überwiegend positive Rückmeldungen der Zielgruppen und weisen überdies auf positive gesamthochschulische Nebeneffekte hin. Dazu gehört, dass die Funktionsfähigkeit der Arbeits- und Studienorganisation an der Hochschule in den Blick genommen würden; außerdem die Bindung der Mitarbeitenden an die Hochschule, eine bessere Außendarstellung und die Tatsache, dass Familienfreundlichkeit als Vorreiterin für die Akzeptanz weiterer Themen fungieren könne. An allen Hochschulen wird in Folge der erfolgreichen Umsetzung von Familienfreundlichkeit genauso wie aufgrund der steigenden gesamtgesellschaftlichen Relevanz des Themas eine steigende Erwartungshaltung der Zielgruppen in Bezug auf familienfreundliche Maßnahmen wahrgenommen. Die Hochschulen sind aus Sicht der Diskussionsteilnehmenden gesamtgesellschaftliche Akteurinnen und werden in ihrem Bemühen um mehr Familienfreundlichkeit auch in einer Vorbildfunktion gesehen, insbesondere durch die Ausbildung zukünftiger Führungskräfte.